Haushaltung Gottes – Band 1

19. Kapitel
[HGt.01_019,01] Und siehe und höre weiter! – Es standen aber die beiden Opferherde Ahbels und Cahins nicht ferne voneinander, und es war die ganze Entfernung siebenmal zehn Schritte, und war der Herd Ahbels gelegen gegen Morgen und der des Cahins gegen Abend.
[HGt.01_019,02] Und siehe, als nun der Cahin bemerkte, daß der Rauch des Ahbels emporstieg zum Himmel und der seine aber niederfiel zur Erde, da ergrimmte Cahin in seinem Herzen; aber sein Gesicht machte er glatt, daß man nicht merken sollte seinen Grimm, während Ahbel betete für Cahin, da er merkte dessen Schalkheit.
[HGt.01_019,03] Und der Herr vernahm das Flehen Ahbels und ließ nach dessen frommem Wunsche Seine Stimme hören den ergrimmten Cahin und sprach mit starker Stimme:
[HGt.01_019,04] „Cahin, warum bist du Mir ungetreu geworden und ließest einnehmen vom Grimme dein Herz, und warum verstellst du deine Gebärde und lügst mit deinen Augen? Du führst Böses im Sinne gegen Ahbel! Ist es nicht also? – Verneine es, wenn du es kannst!
[HGt.01_019,05] Ich habe vernommen, da du fluchtest Meiner Sonne, und sah die leeren Garben, mit denen du Mich abgespeist hast in deiner Trägheit und in deinem Geize, und habe dich auch mehrere Male sehen Hurerei treiben in deiner großen Faulheit, da du fast allezeit hast unterlassen, was dir geboten war zu tun, bevor du beschlafen möchtest dein Weib. Und sage, ist es nicht also?
[HGt.01_019,06] Und siehe, Ich habe dir geduldig zugesehen und ließ nicht auf dein Haupt fallen Meine strafende Rechte und ergrimmte nicht über dich in Meiner Heiligkeit! Daher erwäge Meine Worte, und werde fromm in deinem Herzen, und du sollst Mir angenehm sein, und dein Opfer wird wieder aufgenommen werden; wogegen du aber verharrst in der geheimen Bosheit deines Herzens, so hat die Sünde vor deiner Türe eine Ruhestätte sich bereitet und wird herrschen über dich, und du und alle deine Nachkommen werden Sklaven und Knechte werden derselben, und der Tod wird kommen über euch alle.
[HGt.01_019,07] Daher lasse ihr jetzt nicht ihren Willen, daß sie herrsche über dich, sondern brich kräftig denselben, und mache ihn dir untertan, damit du frei werdest, – ein Herr deines Willens, der böse ist vom Grunde aus, da er aus dir ist und nicht aus Mir!“
[HGt.01_019,08] Und siehe, da bückte sich Cahin nieder zur Erde, als wollte er bereuen seine Schuld. Aber siehe, da gewahrte er zu seinen Füßen eine Schlange und erschrak heftig vor derselben und erhob sich schnell wieder von der Erde und wollte hinfliehen zum Ahbel; aber siehe, da umschlang die Schlange seine Füße, daß er nicht konnte verlassen die Stelle.
[HGt.01_019,09] Und die Schlange erhob ihren Kopf und öffnete ihr Maul und bewegte ihre Doppelzunge und sagte zu Cahin: „Warum willst du fliehen vor mir? Was habe ich dir getan?! Siehe, ich bin ein Wesen gleich dir und muß kriechen in dieser elenden Gestalt; erlöse mich, und ich werde sein gleich dir und schöner denn dein Weib Ahar, und du wirst werden gleich Gott, stark und mächtig über alles, was ist auf der Erde!“
[HGt.01_019,10] Und siehe, da sprach der Cahin zur Schlange: „Siehe, du lügst; denn als ich dich im Grase fand, zerriß und verzehrte, hast du mich betrogen! Und wie soll ich nun deinen Worten trauen?! Denn ich mußte damals viel leiden deinetwegen; daher kenne ich deine Lüge und kann nimmer trauen deiner Stimme. Und hast du nicht auch vorher vernommen die Worte Jehovas von oben?!
[HGt.01_019,11] Daher, so in dir irgend eine Erkenntnis der Wahrheit ist, so deute mit deiner Stimme mir das alles, und überzeuge mich vom Gegenteile, so will ich dir glauben und tun nach deinem Verlangen!“
[HGt.01_019,12] Und siehe, da sprach abermals die Schlange, sagend: „Siehe, an allem dem ist dein Bruder Ahbel schuld! Er will an sich reißen die Gewalt zu herrschen, um dich als den Erstgebornen deines Rechtes zu berauben; und alles dieses stellt er so listig an, daß er sogar die Liebe der Gottheit blendet und fromm tut vor Deren Augen, damit Sie ihn ja möge herrschen lassen über alles, was da ist auf der Erde, und er dich aber trete spottend mit seinen Füßen. Denn damals, als du mich im Grase fandest und getan hast, was ich dir anriet, wärest du ein Herr geworden über alles, wenn es die tückische Schlauheit deines feinen Bruders nicht zuvor entdeckt hätte, was mit dir hatte vorgehen sollen, – der dann gleich zu dir kam aus erheuchelter Bruderliebe, gleichsam als wollte er dir helfen; ja, er hat dir auch geholfen, aber nicht auf den Thron, der dir allein gebührt, sondern ins Elend und in eine gänzliche Nichtigkeit deines erhabenen Wesens, was du doch bei dir schon lange hättest verspüren sollen.
[HGt.01_019,13] Siehe, sogar um diese Kleinigkeit war er dir neidig, da der Herr dein Opfer aufgenommen hatte wie das seinige, und wußte durch seine schändlichen Schmeichelkünste dahin zu lenken den ohnehin schwachen Willen des Jehova, daß Er dein Opfer verstieß und dir obendarauf noch eine recht derbe Zurechtweisung hat müssen über den Hals kommen lassen.
[HGt.01_019,14] Und siehe, es war ihm schon nicht recht, daß der Herr dich nicht alsogleich vernichtet hat. Daher sieh nur hin, wie er, noch arglistig betend, den Herrn bereden will, daß Er an dir das vollziehen soll, was Er jetzt gnädig noch unterlassen hat.
[HGt.01_019,15] Und nun siehe, das ist aber die große Tücke Ahbels, daß er durch seine allerschändlichste, gleisnerische Heuchelei den Herrn dahin zu bringen willens ist, daß Er ihm am Ende alle Seine Macht in Seiner Verblendung übergebe, worauf dann dieser Ahbel Ihn vom Throne stürzen wird. Und so wird dann Gott schmachten auf der Erde; er aber wird ein herrschender Gott sein auf dem Throne Jehovas ewig.
[HGt.01_019,16] Daher mache dich jetzt auf; es ist das letzte Mal, daß ich noch imstande bin, dich zu versehen mit der nötigen Kraft, zu retten Gott und dich! Daher gehe schnell hin zu ihm und rede ihn mit süßen Worten an, damit er dir folge hierher willig! Da aber will ich ihn festnehmen bei den Füßen und Händen; du aber nimm dann einen Stein, schlage ihn stark aufs Haupt, und so wirst du ihm den Tod geben, den er durch den Jehova dir hat androhen lassen! Und so wirst du dich befreien von dem sonst sicheren Tode und wirst die Augen öffnen der blinden Liebe des betrogenen Gottes, der dich dann machen wird zum Herrn auf der Erde und wird dir untertan machen den Tod der Sünde.“
[HGt.01_019,17] Und nun, so überredet in der Bosheit seines Herzens, verließ Cahin diese Stelle und ging hin zum Ahbel und sagte mit süßer Stimme zu ihm: „Bruder, Bruder, komme doch her zu mir, und befreie mich von der Schlange, die mich abermals zugrunde richten will!“
[HGt.01_019,18] Und der Ahbel aber erwiderte ihm: „Das, was du glaubst, daß es erst geschehen möchte, ist schon geschehen; was du aber verlangst in deiner Verdorbenheit von mir, will ich dir tun in meiner Liebe. Der Tod, den du mir zu geben gedenkst, wird kommen über dich; und mein Blut, mit dem du die Erde tränken wirst, wird schreien zu Gott und wird kommen über dein Haupt und über alle deine Kinder; und der Stein, mit dem du deinen Bruder erschlagen wirst, wird ein Stein des Anstoßes werden, und es werden zerschellen an ihm alle deine Kinder; und die Schlange aber wird verderben alles Blut der Erde, und die Kinder des Segens werden Rache schreien über dein Blut; und dann wird kommen über euch eine große Finsternis, und niemand wird verstehen die Stimme seines Bruders, wie du die meinige jetzt schon nicht mehr verstehst, da du dich hast blenden lassen von deiner eigenen großen Bosheit durch die Gestalt der Schlange in dir und außer dir, welche war, ist und sein wird ewig der wahre Fluch des gerechten Gerichtes Gottes!
[HGt.01_019,19] Und siehe, wie mir gezeigt hat der Herr den Plan aller deiner geheimen Bosheit und mich hat wissen lassen deinen großen Grimm, so weiß ich, was du machen willst und wirst mit mir und warum!
[HGt.01_019,20] O du, dessen Blindheit dauern wird bis ans Ende aller Zeiten der Zeiten, führe mich denn hin als schuldloses Opfer, und tue mir nach deiner Bosheit in und außer dir, damit deine Schlange zum ewigen Lügner gestraft werde und du erfahren mögest hernach an dir, wer von uns beiden der Betrogene ist!
[HGt.01_019,21] Und die Schande, die du angetan hast dem Herrn, wird dich gefangennehmen, und nach der Tat werden dir deine Augen und deine Ohren aufgetan werden, damit du sehen mögest, wie mich der Herr aufnehmen wird zu Sich als das letzte Ihm wohlgefällige Opfer aus deiner Hand; denn fürder wird kein Opfer, sondern der Tod dir gegeben werden, durch den du deinen Bruder geopfert hast.
[HGt.01_019,22] Und siehe, ich habe alle Macht über dich, und es wäre mir ein leichtes, dich zu vernichten so wie jenen Berg dort jenseits des Stromes gegen Mitternacht!
[HGt.01_019,23] Und siehe, ich werde den Berg anrufen und sagen: ,Hier bin ich, Ahbel, der Gesegnete des Herrn, voll der Macht und der Kraft des heiligen Geistes; darum verschwinde und werde zunichte, damit Cahin erfahre, wie groß seine Lüge ist!‘
[HGt.01_019,24] Und nun siehst du, Cahin, wie der mächtige Berg verschwunden ist aus dem Dasein durch die mir innewohnende Kraft des Geistes der Liebe. Und siehe, ein ebenso leichtes wäre es mir, zu vernichten dich! Aber damit du sehest, daß in Gott keine Schwäche und in deinem Bruder keine schändliche Herrschsucht ist, so folge ich dir wie ein Lamm willig zur Schlachtung.“
[HGt.01_019,25] Und siehe, da nahm Cahin den Ahbel gar freundlich beim Arm und sagte: „Ahbel, was denkst du von mir?! Ich suche deine Hilfe, und du willst mich schon im voraus beschuldigen des Todes an dir; so komm, und folge mir hin zur Stelle, da die Schlange deiner harrt, und vernichte sie wie den Berg, und mache mich frei und dich los vom Vorwurf der Schlange!“
[HGt.01_019,26] Und der Ahbel erwiderte ihm kurz: „Welches ist der Unterschied zwischen dir und der Schlange?! – Meinest du Blinder, daß auch ich ein Brudermörder sei?! – Darum folge ich dir und sterbe fürs Leben und du leben bleibest für den Tod!“
[HGt.01_019,27] Und siehe, das waren Ahbels letzte Worte an den Cahin, und von den Lippen Ahbels kam kein Laut mehr zu den Ohren Cahins; und so folgte er willig, wohin Cahin ihn führte.
[HGt.01_019,28] Und als sie nun vollends an die Stelle gelangten, wo die Schlange des Cahin harrte, da war die Stelle, da Cahins Tücke offenbar wurde und umschlang die Füße Ahbels und dessen Hände und warf ihn zur Erde nieder, nahm einen großen Stein und zerschmetterte damit den Kopf Ahbels, daß sein Blut und sein Mark weit herum bespritzte die Erde.
[HGt.01_019,29] Und die Schlange löste sich von den Füßen Ahbels, nahm den Stein in ihren Rachen und trug ihn vor die Türe Cahins und verbarg sich in den Sand unter dem Dorngestrüppe, frei.

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