Haushaltung Gottes – Band 1

28. Kapitel
[HGt.01_028,01] Und siehe, da von allen, die da schon geredet hatten, keiner wagte, eine Gegenrede zu halten an den Farak, so erhob sich endlich der Molakim und richtete seinen Mund gerade gegen Farak, ihn scharf ins Auge fassend und sagend: „Bruder, deine Rede war scharf und traf einen jeden in seine Mitte; allein siehe, was unsere Reden betrifft, so ist deren Sinn gut und recht bis auf die Verwerfung Hanochs; nur sind sie entwürdigt worden durch innere, falsche Begierden, die in uns erst sind wach geworden beim Anblicke der uns anvertrauten Fürstenämter.
[HGt.01_028,02] So wir aber vertilgen in uns alle diese frechen Begierden und wollten auch werden wahre, treue Brüder, wie des Volkes, so auch des Hanoch nach Maßgabe des Rechtes und der Billigkeit, werden wir auch dann noch Schurken sein?“
[HGt.01_028,03] Und der Farak antwortete: „Die Begierde ist das Leben des Willens; so ihr also aber wollt vertilgen jegliche Begierde in euch, woraus wollt ihr dann handeln als Fürsten?! – Daher soll keiner erdrücken die Begierden in sich als den Funken der Liebe in Gott; aber nur keine falsche Richtung sollen dieselben nehmen.
[HGt.01_028,04] Die rechte Richtung derselben ist, Gott in seiner Liebe zu gewinnen trachten, und danach alle Handlungen richten nach der Erkenntnis des allerhöchsten Willens in uns, der in aller Demut erhalten wird die Eigenliebe in uns durch das Gefühl ihrer Nichtigkeit und unbegreiflichen Schwäche in ihr.
[HGt.01_028,05] Die falsche Richtung derselben aber ist die Selbstsucht oder die gänzliche Blind- und Taubheit des Willens in uns, und alle Handlungen aus demselben richten sich nach den eigenen Bedürfnissen und lassen die der ebenbürtigen Brüder unbeachtet.
[HGt.01_028,06] Siehe, die falschen Begierden blähen sich dann durch ihre stets wachsende Mehrheit in uns auf und erdrücken die Demut und erzeugen die Hoffart durch ihre Last, in welcher Lage sich dann der Mensch erleichtern möchte seine große Bürde; allein da er als Blinder nichts sieht und als Tauber nichts hört, was ihm helfen könnte, so hascht er in seiner falschen Begierde nach allen erdenklichen Mitteln, die seine Blind- oder Eigenliebe nur zu ersinnen vermag, und häuft dadurch nur neue Lasten auf Lasten, die in ihrer größten Überlast erdrücken das Leben aus Gott in uns und machen uns zu Tieren der Erdmaterie und zur Speise des Todes, der da zu Hause ist überall in der Materie, sowohl im Feuer als auch im Wasser, in der Luft und in der Erde, welche ist eine Mutter des Fleisches oder des Todes; denn wo ein Fleisch ist, da ist auch ein Tod. Somit werden wir auch alle sterben im Fleische.
[HGt.01_028,07] Wer demnach ist in der Eigenliebe, der ist in der Liebe seines Fleisches; wer aber sein Fleisch liebt, der hat die Begierde nach dem Tode, und der Tod wird in seine Begierde übergehen und ihn gefangennehmen in allen Fasern des Lebens und somit ihn verzehren und töten. Und so wird er werden zum Unrate des Todes und wird düngen die Äcker, da gesät ist die Frucht des ewigen Verderbens. – Jetzt wisset ihr alles; handelt und lebet, oder tut und sterbet, amen.“
[HGt.01_028,08] Und siehe, da nahm wieder der Molakim das Wort und sprach: „Brüder, ihr kennt mein Amt und Fach; ich war nicht vom Hanoch, noch vom Volke dazu gemacht, sondern von euch allen mit Ausnahme des Farak, daß ich anlöge den Hanoch und so auch das Volk; nur euch allein mußte ich zeigen den Mittelpunkt meiner Wissenschaft. Nun aber werfe ich links und rechts die Blendungen zu den Füßen Faraks und sage offen und getreu: Wenn ein Gott vom Himmel kommen wird, so wird seine Rede nicht weiser sein als die des Farak!
[HGt.01_028,09] Ich bekenne frei, wäre er nicht unser Bruder, so würde ich vor ihm niederfallen und ihn anbeten; aber er ist ein Mensch wie wir, – woher kommt ihm diese große Weisheit?!
[HGt.01_028,10] Seht, ich bin blind und taub wie ihr; aber ein inneres Rauschen sagt es mir: Siehe, Gott spricht durch den Mund Faraks unsichtbar! Diese Stimme sollen wir hören, sehr wohl beachten und danach handeln, so wir leben wollen; sonst werden die Tränen unserer Brüder sich ansammeln zu einer großen Flut und uns ersticken sämtlich in unserer großen Hurerei, Betrügerei und Frevellist.“
[HGt.01_028,11] (Und siehe, da wurde auch ermutigt der Uvrahim, trat vor und sagte: „Amen, – Dank sei dem alten Gotte, daß Er gnädigst geöffnet hat den Mund Faraks, unseres Bruders, ohne den wir sämtlich wären zugrunde gegangen, da wir alle schon tief gefangen waren in unseren todbringenden Begierden und wollte einer sein dem andern ein Verräter, damit der Tod über uns alle gekommen wäre, so oder so, als gerechtes Gericht aus der Höhe der Heiligkeit oder aus der Tiefe des Zornes des alten Gottes.
[HGt.01_028,12] Ich war ein feiner Schmeichler und wirkte dadurch mehr Böses als ihr und der Hanoch mit aller Gewalt; denn wäre ich nicht gewesen, er hätte lange schon seine Göttlichkeit, welche eigentlich ich auf das Eingeben Uvraks mit der Hilfe Nohads und Thahiraks ihm aufgeschmeichelt habe, fahren lassen, nachdem er mir öfter schon heimlich bemerkt hatte, daß ihm diese Gottheit innerlich sehr viel Angst bereite und ihn nicht ruhen lasse bei Tag und bei Nacht, so er allein ist, und daß er dann öfter schon verwünscht habe diesen unglücklichen Gedanken Uvraks, den er nun des Volkes wegen nicht mehr loswerden könne, – und doch brenne er ihn mehr denn alles Feuer in seiner Brust.
[HGt.01_028,13] Und nun seht, hier lege ich alle meine Schmeichelei nieder mit der Überzeugung, daß die Weisheit Faraks auch leicht heilen wird nach und nach diese große Wunde unseres Bruders, so wie sie hoffentlich uns allen die Augen geöffnet hat, damit wir ersehen möchten den Abgrund, an dessen lockerem Rande wir uns alle neun behaglich befanden, nicht ahnend die große Gefahr, zu verlieren das Leben und somit auch alles, was nur durch dasselbe irgendeinen Wert hat.
[HGt.01_028,14] Und du, teurer Bruder Farak, sei mir und uns allen ein treuer Wegweiser zum Lichte aus den Höhen des wahren Gottes, der uns fremd geworden ist gleich unserem Erzvater Adam, und leite uns alle nach dem dir wohlbekannten Willen des allein wahren Gottes, und so auch alles Volk als ebenfalls unsere armen, unschuldigen Brüder, an deren Vergehungen wir allein schuld sind durch unsere grenzenlose Bosheit; und was du, o Bruder, für gut finden wirst als den nun nur dir allein bekannten Willen von oben, das wollen wir mit vereinten Kräften mit der Gnade von oben gerne und allezeit bereitwilligst in die genaueste Ausführung bringen.
[HGt.01_028,15] Daher lege ich auch hier mein Fürstentum nieder zu den Füßen des Freundes Gottes, des wahren, und werde mich nur glücklich preisen, mich einen getreuen Knecht nennen zu dürfen vor dem einzigen in diesem Lande, der da Gnade gefunden hat aus so vielen Tausenden vor Gott, dem alleinig wahren und einzigen, der nicht mehr hat einen, der da wäre seinesgleichen.
[HGt.01_028,16] Daher vernehmet alle meinen wohlabgewogenen Willen: Die Stadt Farak sei uns allen eine heilige Stadt. Da wollen wir uns allezeit einen weisen Rat holen, um danach weise handeln zu können. Er selbst aber sei unser Fürst und Leiter nach der Weisheit Gottes in ihm und sei der alleinige Mittelpunkt zwischen uns, dem Hanoch und all dem Volke, damit wir würdig werden möchten, nicht etwa Fürsten zu werden, woran nichts gelegen ist, so wir gesehen haben Gottes Weisheit, sondern nur als willige, treue Knechte angesehen zu werden, die da Freude haben werden und sollen an dem Wohle der Völker und an der Weisheit Gottes in unserm Bruder Farak und an der vollen Wiedergenesung Hanochs und somit auch alles freien und dienstbaren Volkes.
[HGt.01_028,17] Amen, sage ich in aller Namen; und du, o Bruder Farak, sieh mich an in deiner Weisheit, und sei uns allen ein Bruder, ein Fürst, ein Leiter, ein Ratgeber und ein weiser Freund! Amen.“
[HGt.01_028,18] Und siehe, die Rede Uvrahims belebte neu den Thahirak, wie auch die übrigen, die gesprochen hatten vor dem Farak gleisnerische Worte voll Eigennutz; und so begann auch er noch zu reden als einer, der ein Träger und wahrer Sparkasten alles Übels ist, und auch als einer, der sich göttliche Rechte und Dinge anmaßte – als Gottes für alle Ewigkeiten unantastbare Heiligkeit, Seine Gerechtigkeit, Seine Liebe, Seine Allmacht, ja am Ende sogar die ganze Schöpfung, als könnte er sie mit einem Finger zerstören, da er, wie er oft sagte, hinter die Schliche des alten Gottes gekommen sei und er sich auch sogar getraute, es mit Meiner Kraft aufzunehmen und offene Fehde zu erklären Meiner Allmacht –; und da Ich aus Liebe nicht wollte das große Schwert Meines Grimmes ziehen gegen einen elenden Wurm des Staubes – als der Unendliche gegen ein Nichts, das kaum erschaut werden kann wegen seiner unaussprechlichen Kleinheit gegen Meine ewige Größe und unendliche Macht –, so sagte er jedermann: Meine Schwäche habe Furcht vor seiner Stärke.
[HGt.01_028,19] Was sagst du, Mein Knecht, zu solcher Aufforderung?
[HGt.01_028,20] Und siehe, diese war doch noch nicht so lächerlich als die, welche Mir von euch zur Stunde gemacht werden tausendfältig ärger, als diese da war.
[HGt.01_028,21] Denn siehe hin an die Wurzel eures Priestertums! Wenn er redet, der Weltheilige auf dem Throne, da muß Ich im Ernste schweigen und Mich auch hüten, mit jemand zu reden; so er’s erfahren würde, da wäre Mein Sprechling nicht sicher mit seinem Leibesleben.
[HGt.01_028,22] Ich brauche auch den Dorn in Meinem Auge nicht näher zu bestimmen, da ihr ihn ohnedies leicht finden werdet. Allein nur noch eine kurze Zeit! – Und nun wieder zur Sache!
[HGt.01_028,23] Und siehe, dieser Thahirak fing nun auch, wie ein Blitz sich wendend, an, eine gewaltige Schlußrede an die Versammlung zu richten in aller Kürze, und sprach: „Brüder, die ihr weise und gewaltig geredet habt vor mir, daß ich erschüttert wurde bis in den innersten Grund aller meiner Bosheit und erschaut habe meine Nichtigkeit und meine grundlose Schwachheit und vernommen habe all mein großes Unrecht in all meinem Tun und Handeln, – ich brauche deiner Weisheit, Bruder Farak, nicht erst herzuerzählen all meine Schändlichkeiten, da selbst den Unweisen hinreichend bekannt ist mein bisheriges Amt und Fach in der allerruchlosesten Frevelei.
[HGt.01_028,24] Seht, ich bin zu schlecht für eure Versammlung, um irgendein Wort zu führen zu einer Entschuldigung, sondern nur so viel sage ich, daß ich ein Grundstein bin alles Übels unter euch und dem Volke und dem Hanoch; daher mache ich auf gar nichts irgendeinen Anspruch, weder auf ein Fürstentum, noch auf eine Knechtschaft, noch weniger auf eine Dienerschaft, sondern mir geschehe von euch wie dem Vater Cahin. Und so wird der Grundstein aller Bosheit ausgehoben werden von dem lockeren Gebäude alles Frevels, daß es dann zusammenfallen werde und ein besseres Gebäude der gerechten Weisheit Faraks aus Gott, dem Wahren und Mächtigen, an seiner verabscheuungswürdigsten Stelle für alle Zeiten dauernd errichtet werden möge.
[HGt.01_028,25] Seht, Brüder, das ist der einzige Lohn, den ich von euch allen am meisten wohl verdient habe, – wodurch ich keine unbillige Forderung an euch zu machen hoffe, da ich nun wohl weiß, daß der alte Gott keine Gnade und Erbarmung mehr haben kann und darf mit mir Seiner Heiligkeit wegen, die ich allein geschändet habe namenlos.
[HGt.01_028,26] Daher habe ich nun ausgeredet zur Genüge und erwarte in aller Zuversicht und Demut ein gerechtes und ganz billiges, wohlverdientes Urteil von der göttlichen, rechten und starken Weisheit Faraks!
[HGt.01_028,27] Und so ihr mich wollt mein Weib und meine Kinder lassen mitnehmen auf die Flucht dem Cahin nach, so möge das jedoch eurer Erbarmung anheimgestellt sein. Und so geschehe mir dann nach dem Willen Faraks, amen.“

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