Jakob Lorber Bischof Martin

17. Kapitel – In der Hätte des Lotsen. Das gesegnete Morgenmahl und Martins Dank. Die neue Arbeit Martins mit den Fischern.

[BM.01_017,01] Bisher aber war es gleich stets mehr dunkel als hell. In der Hütte fing die Dunkelheit jedoch mehr und mehr an sich zu verlieren, und eine wohltuende Dämmerung verscheuchte nach und nach stets mehr die frühere Nacht – natürlich vor den Augen des Bischofs nur, denn vor Meinen (des Herrn) und des Engels Petrus Augen war es stets der allerhellste, ewige, unvergängliche und unveränderliche Tag!
[BM.01_017,02] Daß es aber nun auch vor den Augen des Bischofs zu dämmern anfing, geschah aus dem Grunde, weil in seinem Innersten die Liebe aufzutauchen begann, nachdem durch Meine Gnade der Bischof eine große Menge irdischen Unflates freiwillig aus sich hinausgeschafft hatte und noch fortschafft.
[BM.01_017,03] „Was geschieht aber nun in der Hütte?“, werdet ihr fragen. – Nur Geduld, sogleich wird nun von Mir die Dienstordnung vorgetragen werden, die der Bischof von nun an zu befolgen haben wird, nachdem er zuvor sich ein wenig mit Meinem Lebensbrote wird gestärkt haben. Denn ihr sehet leicht ein, daß der Mann sicher sehr hungrig sein muß, indem er durch sein ganzes Leben auf der Welt, wie auch in der sehr kurzen Periode von sieben natürlichen Tagen (wennschon anscheinend eine undenklich lange Dauer) noch nie an diesem wahrsten Nährtische gegessen hat und nie verkostet das Brot des Lebens. Daher müssen wir ihn nun schon, wie ihr zu sagen pflegt, ein bißchen dreinhauen lassen, d.h. so recht den ersten Heißhunger stillen lassen.
[BM.01_017,04] Seht, wie er ein Stück Brot ums andere verzehrt, und wie er dabei ganz zu Tränen gerührt ist und nun spricht:
[BM.01_017,05] (Bischof Martin:) „O du mein allerbester Freund und nunmaliger Dienstherr für ewig, wie überaus gut ist es bei dir sein! Nimm vorerst meinen inbrünstigen Dank hin, und trage selben in deinem reinen Herzen auch Gott dem Herrn vor. Denn meine Zunge ist ewig nicht wert, dem Herrn ein Dankgebet vorzutragen, indem ich doch ein viel zu großer und zu grober Sünder vor Ihm bin!
[BM.01_017,06] So, so; ach, das war gut! O der undenklichen Zeit meines Hungers, meines Durstes und meiner ununterbrochenen Nacht! O Dank, Dank dir, größter Dank Gott, dem Herrn, da Er es zugelassen hat, daß du mich rettetest und nun auch sättigtest, daß mir nun so wohl ist, als wäre ich frisch geboren! – Und siehe, siehe, es wird auch ganz hell wie an einem Frühlingsmorgen, so sich die Sonne dem Aufgange naht! O wie herrlich ist es nun hier!
[BM.01_017,07] O liebster Freund und auch du, mein alter und erster Führer, da ich nun gesättigt bin zur Übergenüge, so lasset mich nun an irgendeine Arbeit, auf daß ich euch – wennschon in einem höchst verjüngten Maße gegen eure übergroße Wohltat an mir – durch meiner Hände Fleiß meine große Liebe zu euch an den Tag legen kann!“
[BM.01_017,08] Nun rede Ich: „Komme nur mit uns aus der Hütte, und wir werden sogleich Arbeit in schwerer Menge bekommen! Sieh, wir sind nun schon wieder im Freien und am Ufer des Meeres! Dort sind die Fischernetze: gehe mit dem Bruder hin, und bringe sie hierher in das Schiff; denn das Meer ist heute ruhig, und wir werden einen guten Fang tun!“
[BM.01_017,09] Die beiden bringen eiligst drei gute Tauchbären herbei und ein Schleppnetz, schaffen es sogleich ins Schiff, worauf der Bischof voll Freuden spricht: „Ach, das ist wohl eine lustige Arbeit! So gefällt mir das Meer; aber als ich dabei an dessen lockerstem Ufer meines Untergangs harrte, da sah es ganz schrecklich anders aus!
[BM.01_017,10] Aber gibt es denn hier im Geisterreiche auch Fische? – Wahrlich, davon hatte mir auf der Welt nie etwas geträumt!“
[BM.01_017,11] Spreche Ich: „Und was für Fische! Es wird dir bei der Arbeit noch ganz sonderlich zumute werden, besonders da es hier unsere Aufgabe ist, dieses Meer voll auszufischen. Doch darum darfst du deinen Mut nicht sinken lassen, es wird alles gehen. Aber, wie gesagt, es gehört Geduld und Mut und große männliche Festigkeit dazu!
[BM.01_017,12] Es werden dabei recht viele Gefahren vorkommen, und du wirst dich nicht selten für verloren halten. Dann aber sieh auf Mich, und tue, was Ich tue, so wird alles gut und zu unserm großen Vorteil ablaufen! – Denn jedes gute Ding braucht Mühe, Geduld und feste Arbeit! – Löset nun das Schiff vom Stock, und wir wollen sogleich in die hohe See hinausstoßen!“
[BM.01_017,13] Die beiden lösen das Schiff ab und ein von Morgen her wehender Wind treibt es pfeilschnell in die hohe See hinaus.
[BM.01_017,14] Im Verlaufe der Fahrt spricht wieder der Bischof: „O tausend, tausend! Aber Freunde, da muß es schon ganz entsetzlich tief sein, denn das Wasser sieht ja vor lauter Tiefe nahezu kohlschwarz aus! Wenn da das Schiff scheitern möchte, wie erginge es uns dann?!“

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