Jakob Lorber das große Evangelium Johannes

30. Kapitel

Ev.Joh.4,31. Indes aber ermahnten Ihn die Jünger und sprachen: „Meister, iß nun!“
[GEJ.01_030,01] Während sich aber die starke Schar aus der Stadt gegen den Brunnen hin bewegte, ermahnten Mich Meine Jünger, daß Ich nun zuvor essen solle! Denn sie wußten es schon, daß Ich, sobald irgend Menschen zu Mir kamen, keine Speise nahm; sie aber hatten mich lieb und fürchteten, daß Ich schwach und krank werden könnte. Denn ob sie schon wußten, daß Ich Christus bin, so hielten sie aber Meinen Leib dennoch für schwach und gebrechlich und ermahnten Mich deshalb, daß Ich essen solle!
Ev.Joh.4,32. Er aber spricht zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nichts wisset.“
[GEJ.01_030,02] Ich aber sehe sie liebernst an und sage: „Meine lieben Freunde, Ich habe nun eine Speise zu essen, von der ihr nichts wisset!“
Ev.Joh.4,33. Da sprachen die Jünger untereinander (sich befragend): „Hat Ihm denn jemand schon etwas zu essen gebracht?“
[GEJ.01_030,03] Da sahen die Jünger einander an, befragten sich untereinander und sagten: „Hat Ihm denn schon jemand von irgendwoher etwas zu essen gebracht? Was wohl muß Er für Speise haben? Hat Er sie denn schon verzehrt? Es ist nirgends etwas zu sehen – außer der Krug noch ganz voll mit Wasser. Am Ende hat Er das Wasser in Wein verwandelt?“
Ev.Joh.4,34. Spricht Jesus zu ihnen: „(O ratet nicht so unsinnig!) Meine Speise ist, daß Ich den Willen Dessen tue, Der Mich gesandt hat, und vollende Sein Werk!“
[GEJ.01_030,04] Sage Ich zu ihnen: „O ratet doch nicht gar so unsinnig, was Ich gegessen oder nicht gegessen habe! Ihr habt es ja schon zu öfteren Malen doch gesehen, daß Ich Mich an eurer Seite nie extra habe bedienen lassen. Ich rede zu euch aber nun von keiner Leibesspeise, sondern von einer viel höheren und würdigeren Speise des Geistes rede Ich zu euch, und diese besteht darin, daß Ich den Willen Dessen tue, Der Mich gesandt hat, und Sein großes Werk vollende! Der aber, so Mich gesandt hat, ist der Vater, von Dem ihr saget, daß Er euer Gott sei, ihr Ihn aber dennoch nie erkannt habt. Ich aber kenne Ihn und tue darum Sein Wort, und das ist Meine rechte Speise, die ihr nicht kennet. Ich sage es euch: Nicht nur das Brot, sondern jede gute Tat oder Arbeit ist auch eine Speise, wennschon nicht für den Leib, so aber desto mehr für den Geist!“
Ev.Joh.4,35. „Saget ihr nicht selbst: ‚Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte‘? Siehe, Ich aber sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; jetzt schon ist es weiß zur Ernte!“
[GEJ.01_030,05] „Viele aus euch haben Äcker daheim, und ihr selbst saget es: Noch vier Monate, und die Zeit der Vollernte ist da, und wir werden müssen nach Hause ziehen und Ernte halten! Ich aber sage euch: Hebet eure Augen besser auf! Jetzt schon sind alle Felder weiß zur Ernte. Aber nicht diese Naturfelder meine Ich, sondern das große Feld, das da ist die ganze Welt, auf der die Menschen als reif gewordener Weizen stehen, die in die Scheuern Gottes sollen eingeerntet werden!“
Ev.Joh.4,36. „Und wer da schneidet, der empfängt den Lohn und sammelt die Frucht zum ewigen Leben, auf daß dann eine gemeinschaftliche Freude werde dem, der da säet, und dem, der da schneidet!“
[GEJ.01_030,06] „Und sehet, diese Ernte ist eine rechte Arbeit und diese Arbeit eine rechte Speise, die Ich, wie auch ihr, werde vollauf zu essen bekommen. Wer auf diesem Felde ein rechter Schnitter ist, der sammelt die wahre Frucht zum ewigen Leben, auf daß am Ende der Ernte eine gemeinschaftliche Freude werde Dem, Der da gesät hat, und gleich auch dem, der da geschnitten hat!“
Ev.Joh.4,37. „Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser säet, und ein anderer schneidet.“
[GEJ.01_030,07] „Denn es wird nach der Ernte essen der Sämann wie der Schnitter von einer und derselben Frucht und ein und dasselbe Brot des Lebens; und es wird dann der alte Spruch zur vollen Wahrheit: Der eine säet und ein anderer erntet; aber beide werden leben von ihrer Arbeit gleich und essen eine und dieselbe Speise!
[GEJ.01_030,08] Sehet euch an die große Menge derer, die aus der Stadt zu uns gekommen sind, um zu sehen an Mir den Verheißenen, und wie ihr sehet, daß noch immer mehrere nachkommen! Sehet, das sind lauter schon vollreife Weizenähren, die da schon lange geschnitten hätten werden sollen! Ich sage es euch mit viel Freude: Die Ernte ist groß, aber der Schnitter gibt es noch viel zu wenig; bittet darob den Herrn der Ernte, daß Er mehr Schnitter in Seine Ernte sende!“
Ev.Joh.4,38. „Ich habe euch gesandt, zu schneiden, das ihr nicht gesäet habt; andere haben gesäet, und ihr seid nun in ihre Arbeit gekommen.“
[GEJ.01_030,09] „Ich habe euch aufgenommen, und mit der Aufnahme habe Ich euch auch schon ausgesandt im Geiste, zu schneiden, das ihr nicht gesäet habt; denn andere haben gesäet, und ihr seid nun in ihre Arbeit gekommen, und darob möget ihr euch wohl über die Maßen glücklich preisen! – Denn der da säet, der ist noch fern von der Ernte; wer aber da schneidet, der erntet zugleich und hat schon vor ihm das neue Brot des Lebens! Darum seid nun eifrige Schnitter; denn eure Mühe ist seliger denn die des Sämanns!“
[GEJ.01_030,10] Die meisten Jünger verstanden diese Lehre wohl und fingen sogleich an, Mein Wort von der Liebe zu Gott und von der Liebe zum Nächsten den Samaritern zu verkünden, und daß Ich wahrhaft Christus sei.
[GEJ.01_030,11] Aber einige wenige noch so ziemlich Blöde im Verständnisse des Herzens traten zu Mir hin und fragten Mich so ganz geheim im Vertrauen: „Herr, woher werden wir Sicheln nehmen, und dazu ist heute Sabbat?!“
[GEJ.01_030,12] Worauf Ich ihnen erwiderte: „Sagte Ich denn, daß ihr diese vor uns liegenden natürlichen Gerstenfelder schneiden sollet? O ihr Blöden, wie lange werde Ich euch denn noch also ertragen müssen?! – Verstehet ihr denn noch nichts?! – So höret denn und fasset es:
[GEJ.01_030,13] Mein Wort vom Reiche Gottes, zuerst in euren eigenen Herzen, und von da heraus über eure Zungen zu den Ohren und in die Herzen eurer Mitmenschen und Brüder gehend, ist die geistige Schnittersichel, die Ich euch gebe, einzuernten die Menschen, eure Brüder, in das Reich Gottes, in das Reich der wahren Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens in Gott.
[GEJ.01_030,14] Es ist heute freilich wohl Sabbat; aber der Sabbat ist dumm und unsinnig wie euer Herz, und ihr schauet darob auf den Sabbat, weil es in euren Herzen noch sehr stark sabbatmäßig aussieht. Ich aber sage es euch, da Ich ein Herr auch über den Sabbat bin:
[GEJ.01_030,15] Verbannet den Sabbat ehestens aus euren Herzen, so ihr Meine wahrhaftigen Jünger sein und bleiben wollt! Wir sind an jeglichem Tage gleich da zur Arbeit; wo der Herr des Sabbats arbeitet, da sollen Seine Knechte die Hände nicht in die Taschen stecken!
[GEJ.01_030,16] Muß nicht die Sonne am Sabbat so gut auf- und untergehen wie an einem Werktage? So aber der Herr der Sonne wie des Sabbats am Sabbate feierte, wäret ihr wohl zufrieden mit einem stockfinsteren Sabbat? Sehet, sehet, wie blöde ihr noch seid! Darum tuet euch auf und tuet, was Ich nun tue und was eure Brüder tun, so werdet ihr eine Mir wohlgefällige, wahrhaftig lebendige Sabbatfeier begehen!“
[GEJ.01_030,17] Nach diesen Worten begaben sich auch die schwächeren Jünger zu den Samaritern, die da nun schon in einer großen Anzahl aus der Stadt zu Mir gekommen waren, und lehrten sie, was sie von Mir wußten.

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