Jakob Lorber die Jugend Jesu

19. Kapitel – Josephs Beschreibungssorge. Der Wehmutter Bericht vor dem römischen Hauptmann Cornelius. Des Hauptmanns Besuch in der Grotte. Joseph und Cornelius. Des Cornelius Frieden und Freude in der Nähe des Jesuskindes.
30. August 1843

[JJ.01_019,01] Die Hirten aber waren mit diesem Bescheide zufrieden und fragten den Joseph nicht weiter und gingen von dannen und brachten der Maria allerlei Stärkungen zum Opfer.
[JJ.01_019,02] Als die Sonne aber schon eine Stunde der Erde geleuchtet hatte, da fragte der Joseph die Wehmutter:
[JJ.01_019,03] „Höre mich an, du meine Freundin und Schwester aus Abraham, Isaak und Jakob! – Siehe, mich drückt die Beschreibung ganz gewaltig, und ich wünsche nichts sehnlicher, als sie hinter mir zu haben!
[JJ.01_019,04] Ich aber weiß nicht, wo in der Stadt sie gehalten wird; lasse daher die Salome hier bei der Maria, mich aber führe mit meinen Söhnen hin zu dem römischen Hauptmann, der da die Beschreibung führt!
[JJ.01_019,05] Vielleicht werden wir sogleich vorgenommen werden, so wir sicher die ersten dort sein werden?“
[JJ.01_019,06] Und die Wehmutter sagte zum Joseph: „Gnadenvoller Mann, höre mich an! – Der Hauptmann Cornelius aus Rom wohnt in meinem Hause, das schier eines der ersten ist in der Stadt.
[JJ.01_019,07] und hat daselbst auch seine Amtsstube. Er ist zwar ein Heide, aber sonst ein guter und rechtlicher Mensch; ich will hingehen und ihm alles anzeigen bis auf das Wunder, und ich meine, die Sache wird abgetan sein!“
[JJ.01_019,08] Dieser Antrag gefiel Joseph wohl, da er ohnehin eine große Scheu vor den Römern, besonders aber vor der Beschreibung hatte; er bat daher obendrauf noch die Wehmutter, solches zu tun.
[JJ.01_019,09] Und die Wehmutter ging und fand den Cornelius, der noch sehr jung war und am Morgen gerne lang schlief, noch im Bette und gab ihm alles kund, was da notwendig war.
[JJ.01_019,10] Cornelius aber stand sogleich auf, warf seine Toga um und sprach zu seiner Hausherrin: „Weib, ich glaube dir alles; aber ich will dennoch selbst mit dir hingehen, denn ich fühle einen starken Drang dazu!
[JJ.01_019,11] Es ist nach deiner Erzählung nicht weit von hier, und so werde ich zur rechten Zeit noch am Arbeitstische sein! Führe mich also nur gleich hin!“
[JJ.01_019,12] Und die Wehmutter erfreute sich dessen und führte den ihr wohlbekannten biederen, jungen Hauptmann hin, welcher ihr vor der Höhle gestand und sagte: „O Weib, wie leicht gehe ich in Rom zu meinem Kaiser, und wie schwer wird es mir hier, in diese Höhle einzutreten!
[JJ.01_019,13] Das muß etwas Besonderes sein! – Sage mir doch, ob du irgendeinen Grund weißt; denn ich weiß, daß du eine biedere Jüdin bist!“
[JJ.01_019,14] Die Wehmutter aber sprach: „Guter Hauptmann des großen Kaisers! Harre hier vor der Höhle nur einen Augenblick; ich will hineingehen und will dir die Lösung bringen!“
[JJ.01_019,15] Und sie ging und sagte es dem Joseph, daß der gute Hauptmann selbst draußen vor der Höhle harre, und daß er herein möchte, aber sich nicht getraue aus einem ihm unerklärlichen Grunde.
[JJ.01_019,16] Als der Joseph solches vernahm, ward er gerührt und sprach: „O Gott, wie gut bist Du, daß Du sogar das vor mir in Freude verwandelst, davor ich mich am meisten gefürchtet habe! – Darum sei Dir allein alles Lob und alle Ehre!“
[JJ.01_019,17] Nach diesen Worten eilte er sogleich aus der Höhle und fiel dem Cornelius zu Füßen, sagend: „Machtträger des großen Kaisers, habe Erbarmen mit mir armem Greise! Siehe, mein junges Weib, das mir durchs Los im Tempel zuteil ward, hat hier sich entledigt ihrer Frucht diese Nacht, und gestern bin ich erst hier angekommen, daher mochte ich nicht mich sogleich bei dir melden lassen!“
[JJ.01_019,18] Und der Cornelius sagte, den Joseph aufhebend: „O Mann! sei des unbesorgt, es ist schon alles in der Ordnung! Lasse mich aber auch hineintreten und sehen, wie du hier eingelagert bist!“
[JJ.01_019,19] Und Joseph führte den Cornelius in die Höhle. Als aber dieser das Kindlein erblickte, wie Es ihm entgegenlächelte, da erstaunte er ob solchen Benehmens des Kindleins und sagte: „Beim Zeus, das ist selten! Ich bin ja wie neu geboren, und nie noch habe ich eine solche Ruhe und Freude in mir gewahret! – Fürwahr, heute sind Geschäftsferien, und ich bleibe euer Gast.“

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