Jakob Lorber die Jugend Jesu

21. Kapitel – Josephs Worte über den freien Willen des Menschen und sein Rat an Cornelius. Des Hauptmanns Fürsorge für die heilige Familie.
2. September 1843

[JJ.01_021,01] Und der Joseph, selbst ganz frappiert durch diese Äußerung des Cornelius, sagte zu ihm: „Wie groß dieses Wunder ist in sich, wüßte ich dir selbst zu künden nicht!
[JJ.01_021,02] Daß aber große und mächtige Dinge dahinterstecken, das kannst du mir glauben; denn um geringer Sachen wegen würden sich nicht alle Mächte der ewigen Himmel Gottes also bewegen!
[JJ.01_021,03] Aber darum ist dennoch kein Mensch in seinem freien Willen gehemmt und kann tun, was er will; denn das erkenne ich aus dem Gebote, das dir die zwei Engel des Herrn gegeben haben!
[JJ.01_021,04] Denn siehe, der Herr könnte ja unsern Willen bei dieser Gelegenheit gerade also durch Seine Allmacht binden, wie Er den Willen der Tiere bindet, und wir müßten dann handeln nach Seinem Willen!
[JJ.01_021,05] Aber Er tut das nicht und gibt dafür nur ein freies Gebot, daraus wir ersehen können, daß wir frei aus uns das wollen und tun können, was da ist Sein heiliger Wille.
[JJ.01_021,06] Also bist auch du in keiner Fiber deines Lebens im geringsten gebunden und kannst daher tun, was du willst! Willst du heute mein Gast sein, da bleibe; willst du aber das nicht oder getrauest dir es nicht, so hast du ebenfalls den freiesten Willen.
[JJ.01_021,07] Hätte ich dir aber zu raten, da würde ich freilich dir wohl also raten und sagen: O Freund, bleibe! – denn besser aufgehoben bist du nun wohl in der ganzen Welt kaum irgendwo, als hier unter dem sichtbaren Schutze aller himmlischen Mächte!“
[JJ.01_021,08] Und der Cornelius sagte: „Ja, du gerechter Mann vor den Göttern und vor deinem Gotte, und vor allen Menschen, dein Rat ist gut, und ich will ihn befolgen und will bleiben bis morgen bei dir!
[JJ.01_021,09] Aber nur so viel werde ich mich jetzt mit meiner Hausherrin auf eine kurze Zeit entfernen, daß ich Anstalten treffen kann, durch die ihr alle – wenn schon hier in dieser Höhle – besser gelagert werdet.“
[JJ.01_021,10] Und der Joseph sagte: „Guter Mann, tue, was du willst! Gott, der Herr, wird es dir dereinst vergelten!“
[JJ.01_021,11] Hier ging der Hauptmann mit der Wehmutter in die Stadt und ließ zuerst verkünden durch alle Gassen, daß an dem Tage Amtsferien seien, nahm dann dreißig Kriegsknechte, gab ihnen Bettzeug, Zelte und Brennholz und hieß sie dies alles hinaustragen zur Höhle.
[JJ.01_021,12] Die Wehmutter nahm Speise und Trank in gerechter Menge mit sich und ließ noch mehr nachtragen.
[JJ.01_021,13] In der Höhle angelangt, ließ der Hauptmann sogleich drei Zelte aufrichten: ein reiches für Maria, eines für sich, Joseph und seine Söhne und eines für die Wehmutter und ihre Schwester.
[JJ.01_021,14] Und im Zelte Mariens ließ er ein frisches und gar weiches Bett aufrichten und versah das Zelt noch mit andern nötigen Einrichtungen. Also richtete er auch die andern Zelte zweckmäßig ein, ließ dann einen Kochherd in aller Geschwindigkeit von seinen Knechten erbauen, legte selbst Holz darauf und machte Feuer zur Erwärmung der Höhle, in welcher es sonst ziemlich kalt war in dieser Jahreszeit.

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