Jakob Lorber die Jugend Jesu

25. Kapitel – Die Prophetin Hanna im Tempel und ihr Zeugnis über das Jesuskind. Hannas Warnung an Maria. Das Notquartier der heiligen Familie beim reichen Israeliten.
7. September 1843

[JJ.01_025,01] Es war aber zu dieser Zeit auch eine Prophetin im Tempel – Hanna war ihr Name; sie war eine Tochter Phanuels vom Stamme Assers.
[JJ.01_025,02] Diese war schon im hohen Alter und war so fromm, daß sie, als sie sich in ihrer Jugend mit einem Manne verband, aus Liebe zu Gott sieben Jahre sich nicht enthüllte dem Manne und behielt diese Zeit ihre Jungfrauschaft.
[JJ.01_025,03] In ihrem achtzigsten Jahre ward sie Witwe, ging da sobald in den Tempel und verließ denselben nicht mehr.
[JJ.01_025,04] Sie diente hier ausschließlich Gott dem Herrn allein durch Beten und Fasten nahe Tag und Nacht aus eigenem Antriebe.
[JJ.01_025,05] Bei dieser Gelegenheit aber war sie schon vier Jahre also im Tempel und kam nun auch herzu, pries Gott den Herrn und redete also zu allen, die da auf den Erlöser harrten zu Jerusalem, was ihr der Geist Gottes gab.
[JJ.01_025,06] Als sie aber zu Ende war mit ihren prophetischen Worten, da bat auch sie um das Kindlein, kosete es und pries und lobte Gott.
[JJ.01_025,07] Nachdem aber gab sie das Kindlein wieder der Maria und sagte zu ihr: „Glücklich und gebenedeiet bist du, o Jungfrau, darum du die Mutter meines Herrn bist.
[JJ.01_025,08] Lasse dir es aber ja nie gelüsten, dich darum preisen zu lassen; denn Das nur, was da sauget an deiner Brust, ist allein würdig, von uns allen gelobt, gepriesen und angebetet zu werden!“
[JJ.01_025,09] Nach diesen Worten kehrte die Prophetin wieder zurück, und Joseph und Maria gingen, nachdem sie bei drei Stunden im Tempel zugebracht hatten, wieder aus demselben und suchten bei einem Verwandten Herberge.
[JJ.01_025,10] Als sie aber dahin kamen, fanden sie das Haus verschlossen; denn der Verwandte befand sich diesmal eben auch in Bethlehem bei der Beschreibung.
[JJ.01_025,11] Joseph aber wußte nicht, was er nun tun solle; denn fürs erste war es bereits tiefe Nacht, wie es in dieser kürzesten Tageszeit gewöhnlich zu sein pflegt, und es war auch fast kein Haus mehr offen um diese Zeit, und das um so mehr, da es ein Vorsabbat war.
[JJ.01_025,12] Im ganz Freien zu übernachten, war es zu kalt, indem der Reif auf den Feldern lag und dazu noch ein kalter Wind wehte.
[JJ.01_025,13] Als Joseph also hin und her dachte und den Herrn bat, daß Er ihm helfen möchte aus dieser Not,
[JJ.01_025,14] siehe, da kam auf einmal ein junger vornehmer Israelit auf den Joseph zugeschritten und fragte ihn: „Was machst du denn so spät mit deinem Gepäck auf der Gasse? Bist du nicht auch ein Israelit – und weißt nicht den Gebrauch?“
[JJ.01_025,15] Joseph aber sagte: „Siehe, ich bin aus dem Stamme Davids! Ich war aber im Tempel und habe geopfert dem Herrn; da hat mich die frühe Nacht übereilt, und nun kann ich keine Herberge finden und bin in großer Angst ob meines Weibes und ihres Kindes!“
[JJ.01_025,16] Und der junge Israelit sagte zu Joseph: „So kommt mit mir denn; ich will euch bis morgen eine Herberge vermieten um einen Groschen oder um dessen Wert!“
[JJ.01_025,17] Und Joseph folgte mit Maria, welche sich auf dem Lasttiere befand, und mit seinen drei Söhnen dem Israeliten in ein prachtvollstes Haus und nahm dort in einer niederen Kammer Herberge.

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