Jakob Lorber die Jugend Jesu

27. Kapitel – Die Rückkehr der heiligen Familie nach Bethlehem. Der herzliche Empfang in der Grotte durch die Zurückgebliebenen. Eine Futterkrippe als Bettchen für das Kindlein. Gute Ruhe in der Frostnacht.
11. September 1843

[JJ.01_027,01] Abends, noch eine Stunde vor dem Untergange der Sonne, erreichten die hohen Reisenden Bethlehem wieder und zogen ein in die schon bekannte Höhle.
[JJ.01_027,02] Die beiden zurückgebliebenen Söhne, die Salome und der Hauptmann kamen ihnen mit offenen Armen entgegen und fragten die Zurückkehrenden sorglichst, wie es ihnen ergangen sei auf der Reise.
[JJ.01_027,03] Und Joseph erzählte alles, was ihnen begegnet ist, bekannte aber auch zuletzt, daß er an diesem Tage noch völlig nüchtern sei samt allen den Mitreisenden; denn der höchst geringe Vorrat hatte kaum für die schwache Maria hingereicht.
[JJ.01_027,04] Als der Hauptmann solches von Joseph vernommen hatte, da ging er sogleich in den Hintergrund der Höhle und brachte eine Menge den Juden erlaubter Speisen hervor und sprach dann zum Joseph:
[JJ.01_027,05] „Hier segne es dir dein Gott, und segne es du nach deiner Sitte, und stärket und sättiget euch alle daran!“
[JJ.01_027,06] Und der Joseph dankte Gott und segnete die Speise und aß dann ganz wohlgemut mit Maria und seinen Söhnen und mit der Wehmutter.
[JJ.01_027,07] Es war aber der Maria das Kindlein den ganzen Tag hindurch schon schwer geworden, darum sie denn auch zum Joseph sagte:
[JJ.01_027,08] „Joseph, siehe, wenn ich nur neben mir ein Plätzchen hätte, das Kindlein niederzulegen, um meinen Armen eine kleine Ruhe zu gönnen, da wäre ich für alles versorgt, und das Kindlein Selbst könnte Sich ruhiger im Schlafe stärken!“
[JJ.01_027,09] Als der Hauptmann solchen Wunsch Mariens noch kaum gemerkt hatte, da sprang er sogleich in den Hintergrund der Höhle zurück und brachte eilends eine kleine Futterkrippe hervor, welche für Schafe bestimmt war (und also aussah, wie heutzutage die Futtertröge vor den Gasthöfen auf dem Lande).
[JJ.01_027,10] Die Salome aber nahm sogleich schönstes frisches Heu und Stroh, belegte das Kripplein damit, deckte dann ein frisches Tuch darüber und machte also ein weiches Bettchen fürs Kindlein.
[JJ.01_027,11] Maria aber wickelte das Kindlein in frische Linnen, drückte Es dann an ihre Brust, küßte Es und gab Es dann dem Joseph zu küssen und dann auch allen Anwesenden und legte Es dann in das wohl sehr ärmliche Bettchen für den Herrn Himmels und der Erde!
[JJ.01_027,12] Gar ruhig schlief das Kindlein, und Maria konnte nun ruhig essen und sich stärken am Mahle, welches ihnen der überaus gutherzige Hauptmann bereitet hatte.
[JJ.01_027,13] Nach der Mahlzeit aber sprach wieder Maria zu Joseph: „Joseph, lasse mir mein Lager zurechtmachen, denn ich bin gewaltig müde von der Reise und möchte mich darum zur Ruhe begeben!“
[JJ.01_027,14] Salome aber sprach: „O Mutter meines Herrn, siehe, dafür ist schon lange bestens gesorgt; komm und siehe!“
[JJ.01_027,15] Und Maria erhob sich, nahm wieder das Kindlein und ließ sich auch das Kripplein in ihr Zelt tragen und begab sich also zur Ruhe; und das war die erste völlige Schlafnacht für Maria nach der Geburt.
[JJ.01_027,16] Der Hauptmann aber ließ ja fleißig heizen auf dem Herde und weiße Steine wärmen und mit selben das Zelt Mariens umstellen, auf daß sie mit dem Kindlein ja keine Kälte leiden solle; denn es war dies eine kalte Nacht, in der das Wasser im Freien zu festem Eise ward.

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