Jakob Lorber die natürliche Sonne

29. Kapitel – Bodenkultur und Tierwelt im ersten Nebengürtelpaar.

[NS.01_029,01] Was die Landeskultur betrifft, so wird diese allda in drei verschiedene Klassen eingeteilt, nämlich in die Kultur der Uferländer, in die Kultur der Hügel und in die Kultur des Hochflachlandes.
[NS.01_029,02] Worin besteht denn die Kultur der Uferländer? – Die Kultur der Uferländer besteht in dem, daß allda vorzugsweise die Kollegialbewohner diejenigen Anpflanzungen von allerlei wohlgenießbaren Früchten zu bewerkstelligen suchen, die in entsprechender Hinsicht in diesem mehr Feuchtigkeit haltenden Boden am besten gedeihen.
[NS.01_029,03] Zu derartigen Pflanzungen gehört vorzugsweise die Baumzucht. – Wie wird aber ein oder der andere Baum hier gepflanzt und gezogen? – In dem Hauptgürtel haben wir in dem lediglichen Willen des Menschen das Samenkorn für zahllos verschiedenartige Gewächse gesehen. Ist dieses auch in diesem Nebengürtel der Fall? – Ich sage hier nicht ganz ja und nicht ganz nein. Die Folge aber wird zeigen, wie solches vor sich geht.
[NS.01_029,04] Auch in diesem Gürtel hat die ganze Pflanzenwelt zwar keinen Samen; aber auch die Bewohner haben in ihrem schwächeren Willen den Samen nicht. Dessenungeachtet aber hängt es doch sehr vom Willen der Menschen ab, wo sie irgendeine Pflanze oder einen Baum haben wollen. – In diesem Gürtel ist zwar schon von Mir aus für das Wachstum der Pflanzen gesorgt, und es kann niemand eine andere Pflanze zum Vorschein bringen als diejenigen nur, welche für diesen Gürtel bestimmt sind. Aber die für diesen Gürtel bestimmten Pflanzen können die Menschen dann wohl durch einen gewissen Grad von Handtätigkeit und vorzugsweise aber durch ihren Willen dem Boden entlocken.
[NS.01_029,05] Solche Art der Pflanzenhervorbringung wird dort die Primitivkultur genannt, welche aber gewöhnlich nicht jedermann zu bewirken vermag; sondern solches vermögen nur einige, sich eigens diesem Zweige widmende, willensstarke Weise.
[NS.01_029,06] Die andern Einwohner dieser Gürtel aber betreiben gewöhnlich die Zweit- oder Sekundärkultur, welche darin besteht, daß sie Reiser und Zweige von den vorhandenen Bäumen nehmen und sie in das Erdreich stecken, ungefähr so, wie bei euch die Weidenbäume und die Reben angepflanzt werden.
[NS.01_029,07] Wie wird aber bei der Primitivkultur verfahren? – Der Anpflanzer hat einen spitzigen Stab. Diesen Stab stößt er ungefähr eine halbe Klafter tief in den Boden, nimmt dann ein Gefäß mit Wasser, welches er zuvor einige Male anhaucht, schüttet dann das Wasser tropfenweise in das gemachte Loch, und wenn er das Wasser verbraucht hat, betet er zu Gott, dem Allerhöchstweisen, daß Er an dieser Stelle eine oder die andere Pflanze möchte wohl fruchtbringend dem Boden entkeimen lassen. Sodann stellt er sich eine Zeitlang über die Öffnung also, daß dieselbe gerade unter seinem etwas vorgeneigten Haupt zu stehen kommt; fixiert dieselbe, nach eurer Rechnung bei einer Stunde lang. Darauf entfernt er sich und macht wieder mit seinem Stabe in guter Ordnung ein zweites solches Loch in das Erdreich und tut dasselbe wie beim ersten, – und fährt dann so fort, bis er die ihm vorbestimmte Zahl von einer und derselben Baumgattung angepflanzt hat.
[NS.01_029,08] Ist er mit der ganzen Arbeit fertig, so dankt er Gott, dem Allerhöchstweisesten, für die ihm verliehene Kraft, Geduld und Ausharrung, segnet dann die Anpflanzung und überläßt dann alles dem Willen Gottes und begibt sich nach Hause.
[NS.01_029,09] Im Verlaufe eines Jahres, nach eurer Rechnung, stehen da auch schon mit Früchten beladene Bäume, wo er sie angepflanzt und welche Art er bei der Anpflanzung in seinem Willen hatte. Solche durch die primitive Pflanzungsart hervorgebrachten Bäume sind die allerdauerhaftesten, so daß mancher nicht selten ein Alter von mehr als tausend Jahren, nach eurer Rechnung, erreicht.
[NS.01_029,10] Auf dieselbe Weise aber, wie da die Bäume angepflanzt werden, so werden auch andere kleinere Pflanzen, wie auch das Kleingras, angepflanzt. Nur hat man da zur Belöchelung des Erdreiches dann ein anderes Werkzeug. Dieses besteht in einer Art Walze, welche mit vielen Spitzen versehen ist. Diese Walze wird nun über den Boden dahingerollt. Hinter der Walze aber geht dann ein gewöhnlicher Primitivpflanzer mit einem tüchtigen Gefäß voll angehauchten Wassers einher, welches Gefäß ungefähr also gestaltet ist, wie eure Spritz- oder Gießkannen. Mit diesem Gefäß begießt er sorgfältig das belöcherte Erdreich. Und ist dann eine vorbestimmte Strecke also bebaut worden, so betet er dann über die ganze Strecke und tut gewisserart im allgemeinen dasjenige, was er bei der Anpflanzung eines jeden Baumes besonders tut. Und nach drei Tagen eurer Rechnung ist die ganze also bebaute Strecke voll bewachsen mit derjenigen Art von Pflanzen, welche der Anpflanzer hier haben wollte.
[NS.01_029,11] Auf dieselbe Weise werden auch weitgedehnte Strecken mit edlem Grase angepflanzt. – Eine Art Gras aber, welches dort das wilde oder unedle genannt wird, sowie auch einige Arten unedler Kleinpflanzen entwachsen hier und da gewisserart von selbst dem Boden und dienen dem hier sparsamen Tierreich zur Nahrung.
[NS.01_029,12] Also ist die Primitivanpflanzung beschaffen und ist vorzugsweise eine Eigenart der Ufergegenden, welche zumeist ein Eigentum der Kollegialbewohner sind.
[NS.01_029,13] Worin besteht hernach die Hügelkultur? – Die Hügelkultur besteht lediglich in der Baumkultur – und zwar im Wege der sekundären Anpflanzung; Kleinpflanzen aber kommen da gewöhnlich nicht vor.
[NS.01_029,14] Was aber die Baumfrüchte betrifft, so werden diese durch die sekundäre Anpflanzung gewisserart veredelt und werden dann auch viel größer und wohlschmeckender als die der Primitivanpflanzung.
[NS.01_029,15] Unter den verschiedenen Bäumen will Ich euch bloß einen als den beachtenswertesten etwas näher bezeichnen. Dieser Baum wächst nicht so sehr hoch; aber desto mehr breitet er sich am Boden aus. Sein Hauptmittelstamm erreicht nicht selten eine Höhe von höchstens vier Klaftern eures Maßes, treibt aber von diesem seinem massiven Stamme nach allen Seiten strahlenförmig hundert bis zweihundert Klafter lange Äste von sich, welche immerwährend strotzen von überaus wohlschmeckenden, reifen Früchten, welche ungefähr so aussehen, wie bei euch die größte Gattung der Trauben. Diese Frucht ist überaus wohlschmeckend süß, aber nicht also saftig wie eure Trauben; sondern ungefähr so wie die Melonen bei euch. Die Frucht ist zugleich die Hauptnahrung der Bewohner dieses Gürtels und ist darum auch die allgemeinste, weil der Baum allenthalben überaus gut fortkommt.
[NS.01_029,16] Was die anderen Bäume betrifft, so sind ihre Früchte mehr üppige Leckereien, denn eigentliche Nahrung. – Ihr werdet wohl fragen: Haben denn diese Menschen kein Brot, wie es bei euch auf der Erde vorkommt? – Nein, dergleichen Brot ist daselbst nirgends anzutreffen; aber an dessen Stelle trocknen sie den Überfluß der vorbeschriebenen Baumfrucht, und diese trockene Frucht vertritt dann die Stelle des Brotes.
[NS.01_029,17] Also ist die Landeskultur der Hügel beschaffen, wozu höchstens noch erwähnt werden kann, daß solche Hügelbewohner, um ihre Gründe zierlicher zu machen, das frei wachsende Gras gewisserart kultivieren, welches sie durch dessen fleißiges Abschneiden bewirken. Dadurch sehen oft solche Hügel dann gerade also aus, als wenn sie mit grünem Seidensamt überzogen wären.
[NS.01_029,18] Das ist demnach aber auch gänzlich alles, was da betrifft die Kultur der Hügel. Und so hätten wir nur noch die Kultur des Hochflachlandes vor uns. Mit dieser werden wir jedoch gar bald fertig werden; denn die ganze Kultur der Hochflachländer unterscheidet sich von den zwei bisher bekannten in gar nichts anderem, als daß auf diesen Hochflachländern die Früchte der Primitivkultur nicht genossen werden, sondern nur allein die von der Sekundärkultur.
[NS.01_029,19] Aus dem Grunde werden allda zum Zwecke der Primitivkultur gewisserart nur Baum- und Pflanzschulen angelegt, von denen dann die Reiser auf die schon bekannte Art weiterverpflanzt werden. Nur das Gras wird auf den Hochflachländern allenthalben durch die Primitivkultur gezogen.
[NS.01_029,20] Und somit hätten wir auch schon die Kultur des Hochflachlandes dargetan, wozu noch höchstens das bemerkt werden kann, daß die Früchte auf dem Hochflachland bei weitem die edelsten, wie auch die Bewohner dieses größten Landes dieser beiden Gürtel die weisesten und edelsten sind.
[NS.01_029,21] Ihr werdet hier wohl fragen: Auf die Art, wie das Hochflachland bebaut und bewohnt ist, werden sich allda wohl wenig Tiere vorfinden? – Ja, ihr habt auch recht; denn außer einigen wenigen kleinen Singvögeln gibt es durchaus keine Tiere. Aber auf den unteren Ländern gibt es wohl auch eine Art roter Ziegen und weißer Schafe. Die Schafe werden von den Einwohnern gezogen, hier und da wohl auch die Ziegen; aber im allgemeinen nicht.
[NS.01_029,22] Ganz zuunterst an den Ufern des großen Ringmeeres gibt es auch eine Art Kühe, welche aber vielmehr aussehen wie etwa ein Riesenschaf. Die Kollegialbewohner machen auch öfter Jagd auf sie und suchen sich derselben lebendig zu bemächtigen, welche Jagd sie aber allezeit ein tüchtiges Stück Arbeit kostet. Denn diese Kühe, wenn sie auch nicht bösartig sind, sind dennoch außerordentlich schnell zu Fuße, und es braucht viel Klugheit, um ein solches Tier ins Garn zu bekommen.
[NS.01_029,23] So mager aber das Land an Tieren ist, so wimmelt es doch in dem großen Ringmeer von allerlei Wassertieren. Und die hier und da in diesem Meer vorkommenden bedeutenden Inseln sind von ganzen Heeren der mannigfaltigsten Vögelgattungen bewohnt. Aus dem Grunde verfügen sich auch bei ruhigen Zeiten besonders die Kollegialeinwohner gern hinab zu den Ufern des großen Ringmeeres und beobachten da, soweit sie nur mit ihren Augen reichen können, die mannigfaltigen Lebewesen der großen Gewässer.
[NS.01_029,24] Das ist sonach alles, was zur Kultur dieser beiden Gürtel gehört, welche in beiden Gürteln ganz eine und dieselbe ist; nur ist der südliche Gürtel in allem an Größe etwas ausgezeichneter als der nördliche.
[NS.01_029,25] Und somit wären wir mit diesem Artikel auch wieder zu Ende. – Nächstens wollen wir zur häuslichen und sodann auch zur geistigen und religiösen Verfassung übergehen. – Und damit gut für heute!

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