Jakob Lorber die natürliche Sonne

7. Kapitel – Das Eigenlicht der Sonnen.

[NS.01_007,01] Was da der Grund des Leuchtens einer Flamme ist, ist zwar schon in der Mitteilung über ‚Die Fliege‘ kundgegeben worden. Dessenungeachtet aber mag doch hier noch zur größeren Deutlichkeit des Verständnisses dieser Erscheinung folgender Nachtrag dienen.
[NS.01_007,02] Ihr wisset, daß das Geistige, als absolut betrachtet, nicht bestehen kann ohne irgendeine äußere Umfassung oder ohne irgendein Organ, durch welches es sich erst dann zu äußern imstande ist. Was aber diese äußere Umfassung betrifft, so ist diese wieder an und für sich nichts anderes als Mein Liebewille, welcher das Geistige umgibt und durch dessen Erbarmung dasselbe auch innerlich richtet und es dadurch in irgendeine Ordnung setzt, damit es dann da sei zur Verrichtung irgendeines Teiles Meines großen Willens und somit auch zur Erreichung irgendeines Zweckes, welcher da entspricht der Absicht Meiner ewigen Ordnung. Sehet, also verhält sich diese Sache!
[NS.01_007,03] Was geschieht denn nun, wenn irgendeine Kraft, die da verborgen ist unter der Hülse Meines Liebewillens (wenn sie auch noch so geringfügig ist), durch was immer für Umstände oder Wirkungen angeregt, gerüttelt oder gestoßen wird? – Sie wird dadurch aus ihrer Ordnung, oder was ebensoviel besagen will, aus ihrem Gleichgewicht gebracht, fühlt sich dadurch beengt und beeinträchtigt, und sucht sich dann entweder ihre erträgliche frühere Lage wiederherzustellen oder, wenn sie zu sehr erregt worden ist, auch sobald ihr ganzes Organ zu zerreißen und dadurch in den absoluten Zustand überzugehen.
[NS.01_007,04] Nun denket euch, wenn der Durchmesser dieser Hauptzentralsonne schon eine so lange Linie bildet, daß, um dieselbe zu überwandern, selbst das Licht bei mehr als einer Trillion Jahre zu tun hätte, so wird das ganze Volumen eines solchen Körpers doch sicher etwas sehr Bedeutendes in Hinsicht der naturmäßigen Größe ausmachen müssen. Wenn aber dieser Körper für eure Begriffe schon so endlos kolossal ist, wird da nicht auch dieses große Volumen der Materie gegen den Mittelpunkt zu von allen möglichen Außenpunkten einen für euch unbegreiflich schweren Druck ausüben?
[NS.01_007,05] Ja, solches ganz sicher; denn denket nur einmal auf eurem nichtigen Weltkörper die Schwere eines einzelnen Berges; dann denket euch die Schwere des Weltkörpers selbst; dann denket euch erst eure ganze Sonne, die fürs erste um eine ganze Million Mal größer ist als eure Erde, und somit auch eine Million Mal größere Anziehungskraft in sich birgt, als die da ist eurer Erde zu eigen. Denn wäre solches nicht der Fall, so vermöchte sie wohl nicht noch ganze Weltkörper, die manchesmal sogar viele tausend Millionen Meilen von ihr entfernt sind, also anzuziehen, daß sie sich nicht entfernen können aus ihrem Gebiete. Wie aber da ist auf einem Körper die Anziehung, also ist auch die Schwere im Verhältnis mit solch einer potenzierten Anziehungskraft solch eines großen Weltkörpers.
[NS.01_007,06] Nehmet ihr aber nun an, daß alle Sonnen, Zentralsonnen, Planeten und Kometen zusammengenommen kaum den millionsten Teil einer solchen Hauptzentralsonne ausmachen möchten, wie groß und wie mächtig muß da auch ihre Anziehungskraft sein, und wie mächtig stark der Druck gegen ihr Zentrum?!
[NS.01_007,07] Woraus besteht denn die Materie? Ihr wißt, daß die Materie nichts ist als eine Gefangenschaft des Geistigen oder der Geister. Wenn aber schon auf dem Erdkörper durch das Zusammenschlagen zweier Steine oft mehrere hart gefangene geistige Potenzen zum Ausbruch kommen und, wo irgend im Innern der Erde der Druck von außen her zu mächtig wird, dann auch alsobald oder wenigstens nach nicht gar langer Zeit sich so heftige Explosionen erheben, daß durch deren feuriges Wirken oft ganze, große Berge und weitausgedehnte Ländereien zerrüttet und zerstört werden; und wenn ihr auf den Grund zurückgehen wollet, so werdet ihr kaum mehr als einen einige Kubikklafter großen Raum finden, in welchem die in der Materie eingeschlossenen geistigen Potenzen zu sehr gedrückt, – ihre Schranken zerrissen haben und sich einen Ausweg gesucht und dann auf diesem Wege eine Menge solcher Geister mit zum Ausbruche genötigt haben. – Wenn alsdann solches mit der Erde und auf und in der Erde der Fall ist (was hier gleich schon früher zur vergleichenden Erklärung bedingend angezeigt wurde), so übertraget nun dieses Miniaturverhältnis eures Planeten auf die Zentralsonne. Allda erst werdet ihr erschauen, welche Bedrückungen deren gefangene Geister beständig zu ertragen haben, und das zwar aus dem erbarmenden Grunde, daß sie als mächtige Gefangene auch wieder durch den mächtigen Druck fortwährend wieder zum Leben erweckt werden.
[NS.01_007,08] Aus diesem Grunde ist dann auch diese Zentralsonne überfüllt von den größten sogenannten Vulkanen oder Feuerspeiern, von denen der kleinste einen solchen Durchmesser hat, daß in seinem Krater mehr denn dreißigtausend Millionen eurer Sonnen Platz hätten; – der größeren und des größten Kraters dieser Zentralsonne gar nicht zu gedenken!
[NS.01_007,09] Nun, ihr wißt, daß das Leuchten durch die Zuckungen oder Vibrationen der geistigen Kraft innerhalb der Hülse, in welcher sie eingeschlossen ist, bewirkt wird. Je heftiger irgendein solcher, innerhalb der bekannten Hülse gefangener Geist angeregt wird durch einen äußeren Druck, Stoß oder Schlag, in desto heftigere Vibrationen geht er auch über, und desto greller und intensiver wird auch die Erscheinlichkeit dieser Vibrationen, welche da ist das Leuchten einer Flamme oder eines Funkens. Wo aber können solche geistige Potenzen heftiger gedrückt, gestoßen und geschlagen werden, als auf dieser Zentralsonne?
[NS.01_007,10] Solchem Verhältnis zufolge leuchtet dort ein Funke so intensiv stark, daß denselben kein menschliches Auge nur einen Augenblick lang ertragen könnte. Ja, Ich sage euch: Wenn da ein Funke in der Größe eines Heidekorns sich bei euch auf der Erde tausend Meilen hoch in der Luft mit derselben Lichtheftigkeit entwickeln würde, wie er sich entwickelt auf eben dieser Hauptzentralsonne, so würde durch die Heftigkeit seiner Ausstrahlung die ganze Erde in einem Augenblick wie ein Wassertropfen auf dem glühendsten Eisen verflüchtigt sein.
[NS.01_007,11] Nun denket euch die ganze ungeheure Hauptzentralsonne mit solchen allerintensivsten Lichtflammen überzogen und urteilet darnach, wie weit wohl ihre Strahlen, als der Ausflug freigewordener Geister, reichen möchten! Da werdet ihr wohl so ziemlich ins klare kommen, wie gestaltet eine solche Sonne gar wohl ein allgemeiner Lüster in dem großen Sonnenwelten-Gemache einer Hülsenglobe sein kann. – Wenn ihr nun solches begriffen habt, so werdet ihr auch gar leicht begreifen, auf welche Weise dann auch jede kleine Planetarsonne, wie auch jeder Planet, für sich ein eigenes Licht entwickeln kann, allda sich dann die Intensität dessen eigentümlichen Lichtes allzeit nach der Größe seines Volumens und somit auch seiner Schwerkraft richtet.
[NS.01_007,12] Auf einem Erdkörper zum Beispiel könnt ihr gar leicht die Flamme einer Kerze betrachten. Warum denn? – Weil durch ihr Verbrennen die in ihrem Dochte und ihrer fetten Materie gebundenen Geister nur auf eine geringere Weise angeregt werden und durch einen geringen Grad der Vibrationen ihre sie umgebenden Hülsen gar leicht zerstören und sodann in ein freieres Walten übergehen. – In eine Schmiede-Esse könnt ihr nicht mehr so leicht schauen, weil die in der Kohle noch zurückgebliebenen Geister schon einer heftigeren Anregung bedürfen, um sich durch heftigere Vibrationen aus ihren Kerkern loszumachen. – Noch schwerer werdet ihr das Licht derjenigen Flammen ertragen, welche da einem feuerspeienden Berge entlodern und entsprühen, weil sie einer viel mächtigeren Anregung, welche die Geister in dem Innern der Erde überkommen, ihre Entstehung verdanken.
[NS.01_007,13] Übertraget solches auf die Sonne, wo jedes Verhältnis ums Millionenfache gesteigert wird, so werdet ihr gar bald und gar leicht finden, in welchem Grade auch jede Sonne ein eigenes Licht durch ihre Vulkane zu entwickeln imstande ist. Dieses eigene Licht einer Sonne aber wäre dennoch viel zu gering, um fernstehende Planeten vollkommen zu erleuchten und zu erwärmen. Dessenungeachtet aber dient dieses eigene Licht der Sonne doch ganz vorzüglich dazu, daß dadurch die Oberfläche der Sonnenluft im stets allergereinigtesten und, wie ihr zu sagen pflegt, spiegelblanksten Zustande erhalten wird, um dadurch stets vollkommen fähig zu sein, das Licht der Hauptzentralsonne und somit auch das aller, durch eben diese Sonne erleuchteten Sonnen aufzunehmen.
[NS.01_007,14] Somit hätten wir auch diese Hauptschwierigkeit besiegt und die im vorhinein aufgestellten Fragen beantwortet. Und somit können wir uns denn auch, wie schon vorhin bemerkt, ganz ruhig auf unserer Sonne herumzubewegen und ihre Wunderherrlichkeiten anzustaunen anfangen.
[NS.01_007,15] Machet euch aber ja gefaßt, – denn wahrlich, ihr werdet da durchaus an keine sogenannten Kinderspielereien kommen. Denn alles, was sich euch auf diesem vollkommenen Planeten zur Beschauung darstellt, wird ausgezeichnet sein an Größe, Erhabenheit und tiefem Ernste! – Jedoch nicht mehr heute, sondern nächstens weiter davon!

8. Kapitel – Ursache und Wesen der Sonnenflecken.

[NS.01_008,01] Ihr werdet schon öfter beobachtet haben, daß die Sonne zumeist auf ihrem Äquator manchmal einen oder mehrere, teils größere, teils kleinere Flecken zeigt, um welche sich dem bewaffneten Auge eine wallartige Verbrämung zeigt, hinter welcher sich dann nach allen Seiten Lichtwellen, von manchen Astronomen „Fackeln“ genannt, ausbreiten. – Unter vielen Weltgelehrten ist gar oft schon die Frage aufgeworfen worden, was diese Flecken doch sein möchten? – Diese Frage hat auch schon ebensoviele hypothetische Antworten bekommen, aber noch nie eine vollends bestimmte darunter.
[NS.01_008,02] Ihr aber sollt diesmal eine ganz bestimmte Antwort bekommen. Wie werden wir es aber anstellen, daß ihr eben über diese Erscheinung eine bestimmte Antwort bekommt? Ihr saget freilich in euch: Auf die leichteste Weise, denn Ich darf es euch ja nur sagen, wie es ist, und ihr werdet Mir vollends glauben. Solches ist wohl wahr; aber was Ich hier sage, möchte einmal doch auch unter die Augen der Weltgelehrtheit gelangen. Werden es diese auch also unbedingt glauben, was Ich euch da sagen möchte in dieser Hinsicht? – O nein, diese Art hat keinen Glauben. Sie glaubt nicht einmal so ganz unbedingt oder vom Herzen weg, daß Ich es bin, oder daß es überhaupt einen Gott gebe, wie Ihn die Offenbarung zeigt, sondern höchstens also, wie Ihn ihre hochweise Vernunft erfindet. Daher also auch, wie gesagt, sie einer bloßen Erzählung nicht glauben würden, sondern würden alles als das Produkt einer dichterischen Phantasterei erklären.
[NS.01_008,03] Darum auch müssen wir uns auf ganz andere Füße stellen und solchen Füchsen ein ganz kurioses Schlageisen aufrichten, welches nicht nur allenfalls einen Fuß eines solchen Fuchses klemmen möchte, sondern welches solch ein gescheites Wesen sogleich am ganzen Leibe packt. Wie aber werden wir solches anfangen? – Nur eine kleine Geduld; es soll sogleich dasein!
[NS.01_008,04] Wenn ihr eine Kugel gerade durch den Mittelpunkt durchbohren und diese Kugel sodann auf eine Spindel stecken würdet und möchtet sie dann ins Wasser tauchen und sie im Wasser in eine Rotation setzen (nämlich um diese Spindel herum) und möchtet sie alsdann also rotierend aus dem Wasser heben, – was meinet ihr wohl, auf welchem Teil der Oberfläche diese Kugel die meisten Wassertropfen von sich schleudern wird? – Ihr werdet Mir antworten und sagen: Auf demjenigen Teil der Oberfläche, der von der Spindel am weitesten absteht und daher auch durch die Rotation um die Spindel die meiste Wurfkraft entwickelt.
[NS.01_008,05] Wieder, nehmet ihr eine Glaskugel, welche auf beiden Seiten eine Öffnung hat, so daß man durch die ganze Glaskugel ebenfalls eine Spindel stecken kann; bringt sie in eine horizontale Lage, gebt ein wenig Wasser in die Kugel und drehet sie sodann, – wo wird sich bei der Umdrehung das Wasser wohl hinbegeben? – Sicher wieder dahin, wo es von der Spindel am weitesten entfernt ist.
[NS.01_008,06] Wir haben an diesen zwei Beispielen genug, um unsere Sache so anschaulich als möglich zu machen. – Die Sonne ist ebenfalls eine Kugel, wie ihr wißt, und zwar eine Kugel, die da bei zweimal hunderttausend Meilen im Durchmesser hat. Diese Kugel dreht sich ungefähr binnen neunundzwanzig Tagen um ihre Achse. Bedenket, wie schnell da am Äquator der Sonne die Bewegung sein muß, wenn da ein Punkt in dem vorbenannten Zeitraum von 29 Tagen eine Reise von über 600000 deutschen Meilen machen muß, welches ungefähr die siebenfache Entfernung des Mondes von der Erde ausmacht, und für welche Strecke ein Schnellreiter, so er Tag und Nacht fortreiten möchte, über siebzig Jahre vonnöten hätte.
[NS.01_008,07] Vergleichet jetzt die Schnelligkeit der Bewegung eines Punktes am Äquator der Sonne, und ihr werdet euch groß verwundern, wenn ihr daraus ersehen werdet, wie viele deutsche Meilen er in einer Minute zurücklegt. Wenn ihr aber nun die große Schnelligkeit solcher Bewegung seht, so müßt ihr ja auch notwendigerweise die große Wurfkraft, welche da eben am Äquator der Sonne stattfinden muß, überklar erschauen.
[NS.01_008,08] Wenn ihr aber diese erschaut, so mache Ich euch aufmerksam auf die zweite Glaskugel, wie sich in derselben das Wasser bei deren Umschwung gegen den Äquator hinzu drängte. Was wird also auch vom Innern der Sonne aus gegen den Äquator derselben vor sich gehen müssen? Werden sich da nicht auch alle etwas flüchtigeren Teile unter den Äquator drängen und allda zufolge der großen Wurfkraft das Bestreben haben, die oberste Kruste der Sonne durchzubrechen und sich dann mit der unglaublichsten Wurfheftigkeit und Schnelligkeit ins Unendliche hinaus von der Sonne zu entfernen?
[NS.01_008,09] Ihr habt aber erst in der vorigen Mitteilung vernommen, was die Materie ist (welcher Art und Gattung sie auch immer sein möchte), und was da die Folge ist, wenn sie irgend zu sehr gedrängt, gestoßen oder geschlagen wird. Wird die Materie bei solch ungeheurem Andrang gegen den Äquator nicht auch auf einem oder dem andern Punkte ebenso unmäßig gedrängt und genötigt, wie unmäßig stark und schnell die Bewegung und somit auch die Wurfkraft der Sonne um den Äquator ist?
[NS.01_008,10] Sehet, jetzt ist das Schlageisen schon aufgerichtet; es bedarf nichts weiteres als eines Fuchses, und ihr könnt versichert sein, er wird dieser Falle nicht entrinnen.
[NS.01_008,11] Ihr habt gleich anfangs vernommen, daß das Erdreich des Sonnenplaneten nicht also hart und spröde ist, wie das zum Beispiel eurer Erde; sondern es ist allenthalben wie elastisch, und das vorzugsweise gegen den Äquator zu. Setzen wir aber den Fall, es wäre daselbst das Erdreich also spröde und somit auch leicht zerbrechbar, – was würde da wohl der Fall sein zufolge der außerordentlich großen Wurfkraft, besonders am Äquator der Sonne? – Nichts anderes, als daß dadurch ein Berg und ein Landstück um das andere mit der größten Heftigkeit von der Oberfläche der Sonne in den unendlichen Raum hinausgeschleudert werden würden. Da aber das Sonnenerdreich also zähe ist, so ist solches wohl nicht möglich, und wäre die Bewegung noch einmal so schnell, als sie ist.
[NS.01_008,12] Was kann aber dessenungeachtet dennoch der Fall sein, wenn sich zufolge der großen Wurfkraft durch den Drang von innen aus auf die schon vorbesagte Art hier und da gewaltige Andrängungen und sonach auch gewisserart Verhärtungen unter der Oberfläche der Sonne in der Gegend des Äquators gebildet haben, welche da gewisserart als eine Krankheit der Sonne anzusehen sind? Denn wohlgemerkt, auch Weltkörper können physisch krank sein. – Dadurch kann nichts anderes geschehen, als daß solche verhärtete Knollen endlich auf einem oder dem andern Punkte das wenn schon zähe Erdreich der Sonne durch ihren großen Drang nach außen und die (durch eben solchen Drang) bewirkte Entzündung zerreißen und sich hernach mit der größten Heftigkeit von der Oberfläche der Sonne entweder nahe endlos weit oder wenigstens so weit entfernen, als die euch bekannten Planeten von der Sonne entfernt sind.
[NS.01_008,13] Sehet, das ist nun die Ursache der darauf folgenden schwarzen Flecken der Sonne. Denn bei dem gewaltigen Durchbruch wird nicht nur die Kruste des Sonnenplaneten, sondern auch die Lichthülle also auseinandergerissen, daß sie auf einem solchen Punkte dann fürs erste nicht fähig ist, das aufgenommene Licht von seiten der andern Sonnen wieder zurückzuwerfen und ebensowenig auch das eigentümliche Licht ausströmen zu lassen, welches sich fortwährend auf dem elastischen Erdboden der Sonne entwickelt, wenn derselbe nicht auf die euch jetzt bekannte Weise zerrissen und daher für die Entwicklung des eigenen Lichtes untauglich gemacht wird.
[NS.01_008,14] Wir haben auch vorhin erwähnt, daß diese schwarzen Sonnenflecke dem bewaffneten Auge mit einem etwas weniger dunklen Walle verbrämt erscheinen. – Was ist denn dieser Wall?
[NS.01_008,15] Dieser Wall ist nichts anderes, als der jeweilige Aufwurf des elastischen Sonnenerdreichs, welches durch den Ausbruch einer solchen Verhärtung auseinandergerissen und dann auf allen Seiten gleich einer trichterförmigen Mauer, welche oben enger ist als unten, aufgeworfen wurde. Wollt ihr für die Entstehung eines solchen Walles um den schwarzen Fleck noch ein deutlicheres Beispiel haben, so machet aus zäher Erde, wenn sie noch die rechte Weichheit hat, eine Halbkugel, die inwendig hohl ist, stoßet dann von innen nach außen mit einem stumpfen Stiel ein Loch, so werdet ihr auf der äußeren Seite alsbald den durch diesen Durchstoß aufgeworfenen Wall erblicken. Nur wird der Wall mehr zerrissen sein, weil ein solcher Lehm dennoch in seinen Teilen weniger gleichartige Kohäsion besitzt als das Erdreich der Sonne.
[NS.01_008,16] Daß dieser Wall aber gegen den eigentlich schwarzen (Mittel-)Punkt dennoch matt erleuchtet erscheint, hat folgenden Grund, weil die also zerrissenen Teile, wenn auch über ihnen keine atmosphärische Glanzluft sich befindet, aber dennoch durch ihre heftigen Schwingungen ein hinreichendes eigenes Licht entwickeln, welches da gleichkommt dem ursprünglich eigentümlichen Lichte der Sonne. – Dadurch könnt ihr auch sehen, wie stark die Sonne mit ihrem eigenen Lichte leuchten würde ohne Beihilfe des allgemeinen Lichtes.
[NS.01_008,17] Ferner haben wir noch vernommen, daß sich über solche Wälle hinaus gewisse Sonnenlichtwellen oder Fackeln bilden. Diese entstehen durch das durch einen solchen Durchbruch bewirkte Wogen der atmosphärischen Glanzluft der Sonne. Denn eine Woge spiegelt sich dadurch in ihrer nachbarlichen Woge, wodurch dann der Glanz potenziert wird, während die Wogenfurchen notwendig matter leuchtend erscheinen müssen.
[NS.01_008,18] Sehet nun, bisher hätten wir alles nicht nur klar, sondern sogar handgreiflich dargestellt. Aber ich sehe schon im voraus einige gelehrte Füchse, die da einen vollen Backen Luft nehmen und dann mit furchtbar weiser Miene fragen und sagen: „Nun, die Sache läßt sich hören, und die Hypothese hat viel für sich; aber der Autor scheint bis jetzt noch vergessen zu haben, daß solche Sonnenflecke wieder vergehen und zu dem Behufe auch ihre Gestalt nach und nach sehr verändern. Wie wird nun der Autor sich da mit seinem aufgeworfenen Wall aus der Schlinge ziehen? – Auch hat man mehrererseits auf eben diesem Wall durch starke Augenwaffen die unglaublich schnellsten Bewegungen beobachtet. Dieser Fall möchte etwa wohl sehr bedeutend den ‚mauerartigen Wallaufwurf‘ unseres Autors beeinträchtigen oder ihn am Ende ganz zunichte machen?!“
[NS.01_008,19] O nein, Meine lieben Füchse. Das ist eben ein Hauptwasser auf unsere Mühle. Denn belieben dieselben nur ein wenig zu bedenken, daß wir schon gleich anfangs und bis jetzt her, und zwar aus dem besten und wohlerwiesenen Grunde von einem elastischen Erdreiche der Sonne gesprochen haben, welches nach dem Durchbruch sicher nicht fortwährend mauerfest gleich dem Krater eines Feuerspeiers auf der Erde bestehen bleiben wird, sondern sich nach und nach, zufolge eben der elastischen Eigenschaft, wieder zusammenzieht, und die durch solchen Durchbruch bewirkte Wunde wieder also verheilt, wie da die Wunde, welche zum Beispiel auf eurem Leibe durch ein Aiß entstanden ist, sich nach der Vereiterung desselben wieder verringert und endlich sich so ganz und gar ausheilt, daß nach einiger Zeit nicht eine Spur mehr zu entdecken ist, aus welchem Teile des Leibes ein solches Aiß eiternd durchgebrochen ist.
[NS.01_008,20] Wenn aber dieser Wall somit kein mauerfester, sondern ein elastischer ist, so werden sich etwa wohl die schnellen und weitgedehnten Bewegungen und Veränderungen eines solchen Walles aus ebendemselben Grunde wie dessen allmähliches Verschwinden gar überaus leicht erklären lassen. –
[NS.01_008,21] Nun, gibt es keinen Einwurf mehr? – Sehet, es lauert noch ein Fuchs im Hintergrunde. Dieser hat mit seinen mathematischen Instrumenten mehrere solcher Flecke gemessen und hat manche so groß gefunden, daß in ihrem schwarzen Raum gar leicht dreißig Erden nebeneinander Platz hätten.
[NS.01_008,22] Was will er denn damit sagen? – Er will damit nichts anderes sagen als: Wenn ein solcher Fleck auf die vorbeschriebene Art entsteht, so müßte man pro primo, wenn ein solcher Fleck sich an dem von der Erde aus sichtbaren Rande der Sonne befindet, den also aufgeworfenen Wall mehr erhaben erblicken, als es gewöhnlich der Fall ist, wo man eben von einer solchen Erhöhung gar nichts merkt.
[NS.01_008,23] Fürs zweite aber läßt sich noch diese sehr bedeutende Frage aufwerfen: Wenn die Sonne bei solchen Gelegenheiten eben solche inwendige Massen von sich schleudert, wohin kommen diese? Und beeinträchtigen solche gewaltige Verluste das Volumen der Sonne nicht? Denn man kann ja doch bei den größten Sonnenflecken annehmen, daß im kubischen Verhältnis eine solche hinausgeschleuderte Masse wenigstens, in runder Zahl genommen, tausend Erdkörper groß ist. Nehmen wir nun an, die ganze Sonne hat in kubischer Hinsicht den millionenfachen Inhalt der Erde, so müssen tausend solche große, aufeinanderfolgende Flecke ja notwendig die Sonne bei Butz und Stengel aufzehren!
[NS.01_008,24] Sehet, dieser Fuchs hat scharfe Zähne und noch schärfere mathematische Augen! Allein auch dieser soll in der Falle steckenbleiben. Denn so gut rechnen, als da solche Füchse es können, kann Ich wohl auch, – wo nicht ums Kennen besser. Ich will zwar auf die sehr kritische Frage dieses scharfzähnigen und scharfäugigen Fuchses nicht sogleich eine erklärende Antwort geben, sondern will ihm bei dieser Gelegenheit nur einige kleine Fragen zur Beantwortung vorlegen, und beantwortet er Mir diese, so soll ihm auch die Antwort auf seine Frage werden.
[NS.01_008,25] Wie oftmal ist zum Beispiel das Volumen alles dessen, was eine Eiche im Verlauf eines Jahres abwirft, in dem Eichbaum selbst enthalten, – und das noch dazu im Verlaufe von ungefähr zweihundert Jahren? Wenn er aber den Eichbaum jährlich mißt, so wird er sicher finden, daß der Baum dadurch nicht kleiner und magerer, sondern stets dicker, größer und höher geworden ist. – Wie ist solches möglich? – Die Antwort lautet: Durch den beständigen Ersatz aus all den Nahrungsquellen für einen Baum. – So sage Ich denn: Stoße mit derselben Nase in die Sonne, und du wirst auch dort finden, daß sich das Verlorene gar wohl ersetzen läßt. – Also hätten wir auch diesen Einwurf im Hintergrunde!
[NS.01_008,26] Was da aber noch die geringen Erhöhungen bei großen Sonnenflecken bezüglich des aufgeworfenen Wallrandes betrifft, so soll der Einwerfler einmal mit freiem Auge versuchen, auf zehn Meilen Ferne einen Grashalm zu erblicken, welches doch bei weitem nicht so viel sagen will, als wenn er mit seinem bewaffneten Auge in einer Entfernung von nahe 23 Millionen Meilen einen Aufwurf entdecken möchte, der im allergroßartigst strengsten Sinne über die Lichthülle der Sonne hinaus kaum den zehntausendsten Teil des Durchmessers der Sonne erreicht.
[NS.01_008,27] Solches möge der Einwerfler wohl beachten, so wird es auch ihm klarwerden, daß die Sache sich gar gut also verhalten kann, wie da erklärt worden ist, wenn er auch mit seinen geschliffenen Gläsern über den Rand der Sonne hinaus eben keine babylonischen Türme erblickt. – Zudem aber werden auch diejenigen Teile des Walles, welche bei einem solchen Durchbruch etwa über die Sonnenlichthülle zu ragen kommen, von der innersten Intensität der Strahlen eben dieser Lichthülle in mehr als Blitzesschnelle zersetzt und gewisserart zusammengeschmolzen, – aus welchem Grunde dann schon ganz vorzüglich nie eine solche vom Einwerfler vermißte Randhervorragung zu erblicken ist.
[NS.01_008,28] Somit wären wir mit den Flecken auch vollkommen fertig. – Nächstens wollen wir mit den Bewohnern der Sonne eine Stelle, wo ein solcher Durchbruch geschieht, selbst mit ansehen. Und so lassen wir es für heute gut sein!

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