Jakob Lorber Robert Blum

VON DER HöLLE BIS ZUM HIMMEL – DIE JENSEITIGE FüHRUNG DES ROBERT BLUM

Band 1 (RB)
Durch das innere Wort empfangen durch Jakob Lorber.
Lorber-Verlag – Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.
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1. Kapitel – Robert Blums Erdenlaufbahn.

[RB.01_001,01] Robert Blum kam unter den dürftigsten Umständen auf diese Erde und hatte bis auf seine letzten Jahre stets mit irdischer Lebensnot zu kämpfen, was ihm aber aus gutem, der Welt freilich unbekanntem Grund zu teil wurde. Seine Seele und sein Geist stammten von jenem Planeten her, von dem ihr aus der Enthüllung der ‚Natürlichen Sonne‘ wißt, daß seine Einwohner mit hartnäckigster Beharrlichkeit ganze Berge versetzen und, was sie leiblich nicht vollbringen, sogar als Geister noch ins Werk setzen.
[RB.01_001,02] Dieser durch seine Tollkühnheit von der Welt gerichtete Mann zeigte schon von Kindheit an, welch beharrlichen Geistes er war. Obschon Ich Selbst ihm, wo immer er sich erheben wollte, seines Heiles wegen stets tauglichste Hindernisse in den Weg legte, so half das besonders für diese Welt doch wenig. Denn seines Geistes zu beharrliches Streben brach sich endlich aus aller Unbedeutendheit doch eine Bahn, auf der er zu größerem Wirken gelangte.
[RB.01_001,03] Hier machte er sogleich tausend große Pläne und setzte sie auch nach Möglichkeit ins Werk. Vor allem lag ihm ein gewisses Völkerwohl am Herzen, das zu bewerkstelligen er kein Opfer scheute. So er alle Schätze der Erde besessen hätte zur Verwirklichung dieser für ihn höchsten Idee, hätte er sie alle, samt seinem Leben, in die Schanze geschlagen!
[RB.01_001,04] Diese Völkerwohlidee hatte er hauptsächlich der Welt-Religionsschule des Ronge und Genossen zu verdanken. Aber eigentlich ist diese gar keine Religion und keine Kirche, weil sie Mich, den Herrn, leugnet und Mich zu einem gewöhnlichen Menschen und Volkslehrer der Vorzeit macht. Diese „Kirche“ verwirft sonach auch den Grundstein, auf dem sie ihr Gebäude aufführen will, und ihr Haus wird daher einen schlechten Bestand haben.
[RB.01_001,05] Wie aber Ronge seine Kirche baute, so baute auch unser Mann seine Völkerwohlideen auf Sand. Ihm schien alles, was die Welt darbietet, nur klein und ohnmächtig. Nur in seiner Rednergabe sah er jene Machtgröße, der es gelingen müsse, in Kürze allen Machthabern den Stab zu brechen.
[RB.01_001,06] Seine Überzeugung war so stark, daß er darüber nahe keines Bedenkens fähig war. Mahnte Ich ihn auch innerlich bei zu gewagten Unternehmungen, vermochte ihn das dennoch nicht von dem abzuhalten, was er sich einmal vorgenommen hatte. Denn es war ihm eine Art Wahlspruch, daß ein rechter Deutscher eher alles opfern solle, als von einer einmal gefaßten Idee abzugehen.
[RB.01_001,07] Zur Festhaltung seiner einmal zur Ausführung bestimmten Ideen bestärkte ihn auch ein mehrmaliges glänzendes Gelingen derselben. Und so wagte er sich nun auch an ein Himalajagebirge, weil ihm die Abtragung einiger politischer Hügel gelungen war. Durch diese Arbeit hatte er sich auch allgemein bemerkbar gemacht und gewann dabei das Vertrauen eines ganzen Landes, was ihm aber dann den Weg zu seinem irdischen Untergang bahnte.
[RB.01_001,08] Er erprobte in der Deutschen Versammlung öfters die Macht seiner Zunge und hatte große Freude über seine Siege, woran freilich sein starker Geist den größten Anteil hatte. Darauf gestützt, eilte er in eine große ostdeutsche Stadt, wo das Volk seine Ideen tatsächlich ans Tageslicht zu fördern begann. Da wollte er sozusagen mit einem Schlag etliche dreißig sogenannte Fürstenfliegen totschlagen, nicht bedenkend, daß hinter diesen Fliegen auch Ich ein paar Wörtchen zu reden hätte.
[RB.01_001,09] Unser Mann ging hauptsächlich von einer Idee aus, die er wohl aus Meinem Worte borgte: daß man „vollkommen“ sein soll gleich dem Vater im Himmel, und daß da nur Einer der Herr ist, alle anderen aber „Brüder“ ohne Unterschied des Standes. Aber er glaubte fürs erste an Den nicht, dem die Menschen in der Vollkommenheit gleichen sollen. Für den Herrn aber hielt er eigentlich sich – durch die Macht der Rede. Er vergaß dabei ganz, daß die Fürsten auch Menschen sind im Besitz der Macht aus Mir; und vergaß auch den Schrifttext: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!“
[RB.01_001,10] Dieser Mann wurde in der obenerwähnten Stadt, wo er seine völkerbeglückende Idee durch die Gewalt der Waffen wie durch seine Reden verwirklichen wollte, als ein dem Staate gefährliches Individuum gefangengenommen und nach einem kurzen Prozeß aus dieser in die andere Welt befördert. Und somit ward auch sein diesweltlicher, Völker beglücken-sollender Wirkungskreis geschlossen.

2. Kapitel – Erste Eindrücke des Hingerichteten im Jenseits. Bewußtwerden des Lebensgefühls.

[RB.01_002,01] Nun fragt es sich: Wie kam seine Seele und sein Geist in der ewigen Geisterwelt an?
[RB.01_002,02] Hier muß bemerkt werden, daß die meisten, ihr irdisches Leben durch ein Strafgericht gewaltsam Einbüßenden in der Geisterwelt mit dem größten Zorn- und Rachegefühl gegen ihre Richter ankommen und eine Zeitlang wie völlig Rasende umhertaumeln. Aus diesem Grund werden solche Ankömmlinge, so sie wirkliche Verbrecher wider Gottes Gebote, also im Grunde Böse sind, sogleich in ihr eigentliches Element, zur Hölle, getrieben, um dort Rache zu üben. Aus ihr kehren sie aber, so ihre Rache einigermaßen abgekühlt ist, wieder in die eigentliche Geisterwelt zurück und beginnen da von neuem, freilich auf sehr beschränkten Wegen, ihre Freiheitsprobe durchzumachen.
[RB.01_002,03] Geister aber wie der unseres Mannes, die bloß als politische Verbrecher gegen weltliche Gesetze gerichtet drüben ankommen, werden anfangs bloß in einen lichtlosen Zustand versetzt. In dem befinden sie sich wie Blinde und werden somit auch keines Wesens ansichtig, an dem sie ihre blinde Rache kühlen könnten. Großer Zorn und große Rache bewirken ja schon bei Menschen auf der diesirdischen Welt, daß sie förmlich blind werden vor Zorn und glühender Wut. Umso mehr bewirken diese argen Leidenschaften jenseits bei Seele und Geist den Zustand gänzlicher Blindheit. Darin werden solche Geister so lange belassen, bis sich ihre Rache in das Gefühl der Ohnmacht umwandelt. Die tief gekränkte und beleidigte Seele beginnt im auftauchenden Gefühl ihrer Ohnmacht zu weinen, was zwar auch dem Zorne entstammt, ihn aber nach und nach ableitet und schwächt.
[RB.01_002,04] Diesseits konnte unser Mann nichts mehr tun als nur so viel als möglich seine männliche Ehre retten. Deshalb zeigte er sich auch bei seiner Hinrichtung entschlossen und den Tod verachtend – was aber in Wahrheit durchaus nicht der Fall war. Denn er fühlte in sich überaus stark die Schrecken des Todes, und das um so mehr, als er als fester Neukatholik an ein Leben der Seele nach dem Abfalle des Leibes durchaus nicht glaubte.
[RB.01_002,05] Aber ungefähr sieben Stunden nach seiner Hinrichtung, da seine Seele sich gewisserart wieder zusammenklaubte, überzeugte er sich schnell von der Grundlosigkeit seines irdischen Glaubens und gewahrte gar bald, daß er fortlebe. Aber da verwandelte sich seine Überzeugung von dem Fortbestehen nach dem Tod in einen andern Unglauben: Er meinte nun bei sich, daß er wohl auf den Richtplatz hinausgeführt, aber nur scheinbar erschossen worden sei, um die vollkommene Todesangst auszustehen. Da ihm der Offizier die Augen habe verbinden lassen, auf daß er nicht das leere In-die-Luft-schießen merken solle, sei er bloß vor Angst betäubt zusammengesunken. Von da sei er in bewußtlosem Zustand in einen finsteren Kerker gebracht worden, von wo ihn eine Beschwerde von Deutschlands Bürgern sicher bald in die erwünschte Freiheit setzen würde.
[RB.01_002,06] Ihn stört nun bloß die starke Finsternis. Sein Aufenthaltsort erscheint ihm als ein finsteres Loch, das ihm jedoch nicht feucht und übelriechend vorkommt. Er befühlt sich auch die Füße und die Hände und findet, daß ihm nirgends Fesseln angelegt sind. So versucht er die Weite seines Kerkers zu untersuchen, und wie etwa der Boden beschaffen ist. Ob sich in seiner Nähe nicht etwa so ein heimliches Gericht vorfindet?
[RB.01_002,07] Aber er staunt nicht wenig, als er gar keines Bodens gewahr wird und ebensowenig irgendeiner Kerkerwand; und fürs zweite auch nichts von einer Hängematte finden kann, in der er sich etwa in einem freien Katakombenraume hängend befände.

3. Kapitel – Robert wähnt sich in Narkose.

[RB.01_003,01] Diese Sache kommt ihm sonderbar und bedenklich vor. Er prüft auch sein Gefühl, ob dieses nicht etwa an den Gliedmaßen gewisserart noch halbtot sei. Aber er überzeugt sich durch ein tüchtiges Kneipen und Reiben an allen seinen Seelenleibesteilen, daß sein Gefühl durchaus nicht tot, sondern im Gegenteil nur gar zu lebendig ist.
[RB.01_003,02] Nachdem er sich nun von allen Seiten überzeugt hat, daß er völlig lebendig sich von keiner Seite her irgendwie eingeschlossen befindet außer von Nacht und Finsternis, fragt er sich endlich ganz verzweifelt
[RB.01_003,03] „Wo in drei Teufels Namen bin ich denn? Was haben denn die Bluthunde aus mir gemacht? Erschossen haben sie mich nicht, sonst lebte ich nicht! Eingesperrt haben sie mich auch nicht; denn da finde ich weder Wand noch Boden und keine Fesseln an meinen Gliedern! Mein vollkommenes Gefühl habe ich auch; die Augen habe ich auch, sie sind mir nicht ausgestochen und doch sehe ich nichts! Wahrhaftig, das ist schaudervoll merkwürdig! – Dieser Menschenfeind, der mich pro forma hat erschießen lassen, muß mich vielleicht durch ein unbekanntes Narkotikum haben einschläfern lassen, weshalb ich mich nun in diesem Zustand befinde! – Aber warte, du Wüterich, du Völkerrechtmörder, wenn ich aus dieser Narkose komme, dann freue dich! Ich werde dir eine ganz verdammt heiße Suppe kochen!
[RB.01_003,04] Dieser Zustand wird nicht ewig dauern. Man wird mich in Frankfurt und in ganz Sachsen suchen lassen. Ich muß dahin kommen! Und bin ich dort, dann sollst du kennenlernen, was für ein Frevel es ist, an einem ersten Reichstagsdeputierten sich so schonungslos zu vergreifen! Das wird auf eine Art gesühnt, von der die ganze Weltgeschichte noch kein Beispiel aufzuweisen hat!
[RB.01_003,05] Wenn ich nur schon bald aus dieser sonderbaren Narkose geweckt würde! Ich brenne vor Rache, und dieser lästige Zustand dauert noch immer fort! Das ist doch eine echt teuflisch verfluchte Erfindung! Aber nur Geduld, es wird, es muß bald besser werden!“

4. Kapitel – Notschrei zu Gott – Berufung auf Jesus.

[RB.01_004,01] Nach diesen Worten verhält er sich eine ziemlich lange Weile ganz ruhig und reibt sich bloß manchmal die Augen, um eine allfällige narkotische Trübung los zu werden. Aber da es trotz aller Geduld nicht heller werden will, beginnt er an der Wiedergewinnung des Augenlichts zu zweifeln und wird darum immer erboster. Als aber auch trotz seines stets größeren Zornes das Licht sich nicht einstellen will, ruft er stark aus:
[RB.01_004,02] „Was ist denn mit mir geschehen? Was ist das für ein verfluchter Zustand? Gibt es denn keinen Gott mehr, der mächtig wäre und gerechter als die Machthaber der Erde von Seiner Gnaden!
[RB.01_004,03] Gott! – so Du Einer bist, recke aus Deinen Arm! Sühne mich, der ich die gute Sache Deiner Kinder zu jenem Ziel führen wollte, das einst schon der erhabene, unverstandene Völkerlehrer Jesus erreichen wollte. Aber von gemeinen Häschern aufgegriffen wurde auch er aus Dank für seine großen Mühen und Opfer zum Besten der gesamten Menschheit, an den Pfahl zur größten Schmach der Menschheit gehängt!
[RB.01_004,04] Wie er, bin auch ich ein Sohn von und aus Dir, so Du Einer bist! Bist Du aber nicht und nirgends außer im Bewußtsein der Menschen selbst? Ist Deine Kraft nur jene, deren sich auch der Mensch bewußt ist, dann freilich rede ich nur fruchtlose Worte und bin um mein ganzes Wesen für ewig betrogen! Warum aber mußte ich ein lebendes, selbstbewußtes Wesen werden? Warum mußte irgendeine im endlosen Raum sich selbst ergreifende, plumpe Idee in mir zum klarsten Ausdruck des Seins werden? Verfluchter Zufall, der mich je in ein so elendes Dasein versetzte! Wenn es arge und böse Teufel gäbe, so sollen sie doch jene Kraft, die mich werden machte, für ewig zerstören!
[RB.01_004,05] O Menschen! Ihr betrogenen armen Menschen, hört auf, euch fortzupflanzen! Menschen, die ihr nun noch lebt, ermordet eure Kinder und euch, auf daß die verfluchte Erde leer werde! O erwürgt ihr Machthaber alle Menschen und teilt dann die verfluchte Erde unter euch auf, auf daß ihr an ihr allein zur Genüge haben sollt! – Aber umsonst ist mein Eifer; ein ewiger Sklave! Was kann ein Tropfen gegen des wogenden Meeres Allgewalt? Darum verstumme, du eitle Sprache! Nur ihr Hände, versuchet diesem elendsten Dasein ein Ende zu machen!“
[RB.01_004,06] Nach diesen Worten machte er sich an Erdrosselungsversuche: einige tüchtige Eingriffe in seine Kehle, aber natürlich ohne alle Wirkung. Denn er greift sich gewisserart alle Male durch und durch, ohne auch nur eine leiseste Spur irgendeiner Erstickung zu verspüren. Das macht ihn stutzen, und er wird über diesen Zustand stets begriffsverwirrter. Da es mit dem Erdrosseln nicht geht, beschließt er, sich gerade vorwärts zu bewegen. „Denn“, spricht er bei sich ganz erbost, „finsterer und grundloser als hier kann es wohl im ganzen endlosen Raum nirgendmehr sein. Daher habe ich auch keinen Abgrund und noch weniger irgendein geheimes Gericht mehr zu befürchten. Darum also nur vorwärts! Vielleicht komme ich doch irgendwo zu einem Lichtschimmer oder zum erwünschten Tod!
[RB.01_004,07] O wie glücklich muß der Zustand eines vollkommenen Todes sein! Wie glücklich muß ich gewesen sein, als ich kein Dasein fühlte und kein freies Bewußtsein! Wenn ich doch nur wieder völlig vernichtet werden könnte! Aber sei es nun, wie es will, – so mir der vollkommene Tod ein Labsal ist, gibt es auch nichts mehr, wovor ich mich fürchten sollte. Darum also nur vorwärts!“

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