Jakob Lorber Robert Blum

19. Kapitel – Rede über den Gehorsam. Beispiele aus Reichen der Naturwelt.

[RB.01_019,01] Rede Ich weiter: „Stelle dir vor, daß alle Weltkörper mit der für ihre Bestimmung nötigen Intelligenz und freien Einsicht ausgestattet sind. Siehe, diese großen Körper schweben alle im für deine Begriffe freiesten Ätherraume. Warum sind sie denn so eigensinnig und bewegen sich seit vielen Jahrtausenden stets in gleichen Kreisen um eine bestimmte Sonne, die sie gewisserart um keinen Preis verlassen wollen?
[RB.01_019,02] Gewiß ist manche ihrer Umlaufszeiten für sie schlimmer als andere, was schon die guten und schlechten Jahre eines Planeten ziemlich handgreiflich beweisen, besonders in solchen Perioden, wo es auf dem Sonnenkörper manchmal etwas stürmischer zugeht als sonst. Zwar kann sich ein Körper wie ein Planet schon einen kurzen Puff von seiten der Sonne gefallen lassen, aber es geschehen oft für einen Weltkörper mehrere solch qualvoller Umläufe ununterbrochen, freilich hie und da örtlich mehr oder minder.
[RB.01_019,03] Wenn dann so ein großer Wanderer durch den Ätherraum nach manchmal zehn und mehr, von seiner Sonne wie stiefmütterlich behandelten Umläufen am Ende doch der Sache überdrüssig würde und sich ernstlich vornähme, die ihn regierende Sonne zu verlassen, um dann zu einem absoluten Freischwärmer durch den endlosen Weltenraum zu werden, – was würde wohl von solch einer planetarischen, nach absolutester Freiheit schwindelnden Idee die unvermeidlichste Folge sein?
[RB.01_019,04] Siehe, zuerst ein völliges Erstarren ob des nur zu bald eingetretenen Licht- und Wärmemangels; darauf notwendig ein völliges inneres Entzünden ob des zu mächtigen Druckes von außen nach innen; und endlich eine völlige Auflösung aller Teile des Planeten und mit dieser auch dessen vollkommener Tod!
[RB.01_019,05] Die Planeten aber fühlen in ihrem Innersten. Ihr Dasein ist ihnen das höchste fühlbare Bedürfnis. Und so bleiben sie gleichfort unter dem Regiment ihrer Sonne, bleiben bei ihrer Bewegung stets in unverrückbarer Ordnung und machen sich nichts daraus, ob sie bei mancher Umlaufszeit von ihrer sie beherrschenden Sonne karger gehalten werden als andere Male.
[RB.01_019,06] Allerdings könnte da mancher dir gleichgesinnte Planetenfreund unparteiisch sagen: ,Ich lobe mir wohl solche willige Planeten. Aber eine so launenhafte Sonne als notwendigen Regenten der armen Planeten möchte ich denn doch, wenn ich der Schöpfer wäre, gehörig züchtigen für ihre Regentenlaunen!‘
[RB.01_019,07] Doch da steht die Sonne auf und spricht: ,Was faselst du kurzsichtiger Kosmopolit? Siehst du nicht, daß ich nicht nur einen, sondern gar viele größere und kleinere Planeten zugleich zu versorgen habe? Weißt du nicht, daß ihre Bahnen ungleich sind, daß mir manchmal die großen wie die kleinen Planeten näher, manchmal ferner zu stehen kommen? Daß sie sich manchmal in größerer Zahl gerade auf der einen Seite befinden und mich sehr in Anspruch nehmen, und daher irgendein einzelner Planet auf einem entgegengesetzten Standpunkt an meinen sonst reichen Gaben notwendig etwas karger zu Teile kommt! – Wird ein solcher Planet aber auf einer Umlaufszeit notwendig etwas karger beteilt, so bekommt er dennoch immer so viel, daß er bestehen kann. Ich kann es seit Trillionen von eigenen Wanderungen um eine andere noch größere Regentensonne bezeugen, daß darum noch nie ein Planet, so er sich meiner Ordnung angeschlossen hatte, verhungert und zugrunde gegangen ist. Wenn aber Kometen, denen ihre Freiwandlerschaft lieber ist als meine feste Ordnung, irgendwo im endlosen Raume, wohin sie ihre wahnwitzige Freiheitslust getrieben hat, zugrunde gehen, – dafür kann wohl ich nicht. Denn einem Wesen, das sich nur selbst bestimmen will, ohne von einer mächtigeren Leitung abhängen zu wollen, geschieht kein Unrecht; es hat sich selbst gerichtet! – So du, freisinnigster Kosmopolit, mich als Planetenregentin schon durchaus wegen meines notwendig veränderlichen Verhaltens gegen die mir untergeordneten Planeten gestraft haben willst, da nimm mir mein Licht und meinen Glanz, meine Größe und Macht! Sieh aber dann zu, wie die nach deiner Meinung von mir so sehr an den Sklavenketten gehaltenen Planeten ohne mich bestehen werden!‘
[RB.01_019,08] Siehe, Freund, so spricht sich die natürliche Ordnung schon bei den ersten, stärksten und freien Weltkörpern aus, ohne welche kein Planet bestandfähig gedacht werden könnte! So aber diese freischwebenden großen Wesen eines Leiters bedürfen, um wieviel mehr jene kleinen und in ihrer Bewegung durch allerlei Verhältnisse mehr gebundenen Wesen, als da sind die Tiere und besonders die mit einem vollkommen freien Geist begabten Menschen!
[RB.01_019,09] Tiere ein und derselben Art haben in der Regel eines unter ihnen, das gewisserart ihr Leiter ist. Wenn dieser sich rührt, dann sind alle wie durch einen elektrischen Schlag zur gleichen Bewegung angefacht. Siehe eine Rinderherde an, sie hat einen Leiter unter sich! Der Hirte, der aus Erfahrung bald merkt, welchem Stück aus seiner Herde die anderen nachgehen, hängt solchem Tiere eine Schelle an den Hals. Und wenn er abends die Herde heimführen will, horcht er bloß, wo die Schelle läutet. Dorthin begibt er sich und findet seine ganze Herde daselbst versammelt. Will er sie heimführen, dann braucht er bloß den beschellten Leiter zu führen, so gehen alle anderen von selbst nach. Der gleiche Fall ist sogar mit den sehr dummen Schweinen, besonders wo sie ständig in freier Natur leben, ebenso bei den Ziegen, Schafen, Pferden, Eseln und hundert anderen Tiergattungen. Das gleiche kannst du sogar an den verschiedenartigsten Insekten entdecken, an den Vögeln und nicht minder an den stumpfsinnigsten Fischen und anderartigen Wassertieren.
[RB.01_019,10] Aber Ich will dir die Sache ganz zeigen und will dich sogar auf die noch viel stummer scheinende Natur leiten.
[RB.01_019,11] Betrachten wir das in sich selbst überaus lockere Wasser, das sich ohne fühlbaren Widerstand in zahllose Tröpfchen zerteilen läßt. Dieses höchst wichtige Naturelement, das in sich alle Urkeime des tierischen wie des pflanzlichen Lebens birgt und zugleich von dir nie berechenbaren Kräften geschwängert ist, es gehorcht im freien Zustand unbedingt dem ihm innewohnenden Gesetz der Schwere. Laut diesem Gesetz, dessen es durch ein eigenes Wahrnehmungsvermögen gewahr wird, empfindet es die leiseste Abdachung irgendeines Geländes. Es fängt sogleich an, nach einer größeren Niederung hin sich fortzubewegen und hat so lange keine Rast und Ruhe, bis es des Meeres größte Geländeniederung vollends erreicht hat. – Auch hat dieses Element noch die sonderbare Eigenschaft, daß es sich erst dann völlig klärt, wenn es des Meeres Niederung erreicht hat. Es deutet gewisserart dadurch an, daß auch der Mensch erst dann zum klaren Bewußtsein seiner wahren, ewigen Bestimmung kommt, so er irdisch nicht nach den höchsten Würden strebt, sondern nur nach dem niedersten Standpunkt, das ist: die wahre, von Mir so oft anempfohlene Demut, die aber nie durchs Gebieten, sondern nur durchs Gehorchen erreicht werden kann!“

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