Jakob Lorber Robert Blum

20. Kapitel – Weiteres Beispiel: Hochgebirge und ihre Notwendigkeit.

[RB.01_020,01] Rede Ich weiter: „Also wäre dir durchs Wasser nun ein Beweis gegeben, daß auch dieses Element eine eigentümliche Intelligenz in sich enthält, durch die es dem ihm zugrunde liegenden rein göttlichen Ordnungsgesetz pünktlichsten Gehorsam leistet bis zum letzten Tropfen; trotzdem ein jeder Tropfen eine Menge von Trillionen Leben in sich birgt!
[RB.01_020,02] Aber wir wollen uns weiter an die Geburtsstätte des Wassers, also auf die Berge wenden und sehen, ob an ihnen nicht auch irgendeine ganz eigentümliche Intelligenz zu bemerken ist und zufolge dieser auch eine genaue Beobachtung der in sie gelegten Gesetze.
[RB.01_020,03] Siehe, Freund, auf der Erde findest du allerlei Berge. Darunter sind sehr hohe, oder Urgebirge; dann mittelhohe, oder sogenannte Gebirge der sekundären Formation; und endlich ganz niedere, mehr Hügel als Berge, die sämtlich nach der irdisch gelehrten Fachbezeichnung einer tertiären Formation angehören. – Du lächelst nun freudig, weil du an Mir auch einen Geologen entdeckst! Oh, da sei du ganz getröstet; denn in der Geologie wie in der höheren Kosmologie bin Ich so ziemlich bewandert.
[RB.01_020,04] Aber nun weiter! Wir haben also dreierlei Berge. Von diesen drei Arten wollen wir zuerst der höchsten unsere Betrachtung zukommen lassen.
[RB.01_020,05] Warum sind wohl auf der Erde die Berge da? Hier meine Ich ganz besonders die erste Art. Siehe, ihre Zwecke sind verschieden: Fürs erste sind sie die Regler der elektromagnetischen Strömungen, damit diese über den ganzen Erdboden gehörig verteilt werden. Fürs zweite verhindern sie, daß die Luft um die Erde bei der schnellen Drehung um ihre Achse stehenbleibt, während die Oberfläche der Erde sich fortbewegt. Dies brächte eine über alle Orkane heftigste Gegenströmung hervor, durch die wohl kein Wesen auf der Erde bestehen könnte. – Fürs dritte ziehen sie die zu mächtigen, durch Sauerstoff und Wasserstoff gebildeten Feuchtteilchen aus der Luft an sich, weshalb ihre höchsten Spitzen auch meist umdünstet und somit selten klar sichtbar erscheinen. Hier vereinen sie sich durch die stets mächtig vorhandene Elektrizität und fallen dann zumeist als Schnee und Eis auf die steilen Abhänge der Berge nieder. Von da stürzen sie nach größeren Anhäufungen als Lawinen in die Schluchten und Hochgebirgstäler und bilden dort durch starke Anhäufung die Gletscher. Diese haben wieder die besondere Eigenschaft, die Kälteteilchen aus der gesamten Luft anzuziehen und dadurch die niedriger gelegenen Fruchtgegenden vor den alles erstarrenden Frösten zu bewahren. Zugleich aber schwächen die Gletscher auch sehr die manchmal zu stark angesammelte Luftelektrizität und ordnen den Kreislauf des Wassers durch die Atmosphäre. Ohne diese Tätigkeit hätten die Ebenen der Erde nahezu unausgesetzt allerheftigste Wolkenbrüche auszustehen.
[RB.01_020,06] Du siehst nun aus diesem wenigen die große Notwendigkeit der Hochgebirge und sprichst auch bei dir: ,Ja, das ist klar und unwiderruflich wahr! Denn wo immer die Menschen es zu rücksichtslos wagten, etwas an der Ureinrichtung der Berge zu ändern, da sind sie nur zu bald durch zuvor nie dagewesene Elementarschäden für ihren Frevel auf das empfindlichste gezüchtigt worden.‘ – Siehst du, Freund, so ist es auch! – Aber nun kommen wir eigentlich erst aufs Rechte, daher gib nun ganz besonders acht!
[RB.01_020,07] Siehe, damit die Hochgebirge die wichtige Bestimmung zur Erhaltung eines ganzen Weltkörpers und allem auf seiner weiten Oberfläche erfüllen können, ist es durchaus nicht gleichgültig, wo sie sich befinden. Ferner müssen sie – durch die in und über ihnen wohnenden Geister oder (nach deiner Art zu reden) Kräfte – notwendig jene Intelligenz besitzen, durch die sie instand gesetzt werden, das zu bewirken, wozu sie bestimmt sind.
[RB.01_020,08] Die ihrer unleugbaren Intelligenz anheimgestellte Wirkungssphäre ist für sie ein positives Gesetz, das sie durch ihre Intelligenz ganz genau wahrnehmen; was du Mir um so mehr glauben kannst, da du doch ehedem selbst behauptetest, Ich sei durch die Schule der Ägypter in die inneren Kräfte der Natur eingeweihter gewesen als alle Gelehrten der Jetztzeit.
[RB.01_020,09] Darum sieh auch ein, daß nur durch die genaueste Befolgung der Gesetze, die der Intelligenz dieser großen Erdauswüchse anheimgestellt sind, die Erhaltung eines ganzen Weltkörpers bewerkstelligt werden kann. Würden aber die Hochgebirge sich einmal gegen diese Gesetze auflehnen und gewisserart sagen: ,Wir wollen keine hohen Erdbeherrscher mehr sein, sondern auch wir wollen uns zu kleinen Fruchthügeln erniedrigen!‘ – sage, was würde aus solch einem Gebirgsungehorsam schließlich für die ganze Erde für ein namenloses Unheil erwachsen?
[RB.01_020,10] Obschon diese Hochgebirge keine Früchte tragen, viele hundert Quadratmeilen unfruchtbares Land ausmachen und so dem gemeinen Menschenverstand als ,unnütz‘ erscheinen – wäre es wohl wünschenswert, diese Bergfürsten zu entthronen und sie zu vermeintlichen Fruchtebenen umzugestalten? Du sagst: ,Das wolle der Himmel verhüten!‘
[RB.01_020,11] Nun, so sage auch, daß es der Himmel verhüten wolle, daß die Hochgebirge in der menschlichen Gesellschaft nicht verwüstet werden! Sonst wird es auf der politischen Erde nur zu bald aussehen, wie es auf der natürlichen aussehen würde, wenn die natürlichen Hochgebirge zerstört würden!
[RB.01_020,12] Siehe, so die Könige der Erde wahrhaft ihrer Bestimmung entsprechen sollen, müssen sie sein gleich den Hochgebirgen! Verstehst du das? Du sprichst: ,Ja, ich verstehe es nun ganz und sehe auch ein, daß du ein wahrer Urweiser bist!‘ –
[RB.01_020,13] Gut! Die Sache ist aber noch nicht zu Ende. Wir haben noch zwei Gebirgsarten vor uns. Diese müssen uns auch noch etwas erzählen. Höre daher weiter und sieh, wozu sie da sind!“

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