Jakob Lorber Robert Blum

5. Kapitel – Gehversuche im leeren Raum. Selbstgespräche vom Nichts und vom Fortleben. Fluch gegen Gott, den Leidensbereiter.

[RB.01_005,01] Hier macht unser Mann mit den Füßen gewöhnliche Gehbewegungen. Aber da er unter seinen Füßen keine Boden wahrnimmt, scheinen sie ihm bloß nutzlose Pendelbewegungen zu machen, die kein Weiterkommen bewirken. Er sinnt daher auf eine andere Art der Weiterbewegung und spricht:
[RB.01_005,02] „Ich muß mit Händen und Füßen durch diese lichtlose Luft auf eine eigene Art zu schwimmen anfangen! Um mit den Beinen weiterzukommen, muß man eine feste Unterlage haben. Aber wenn diese fehlt, da heißt es entweder schwimmen oder fliegen! Zum Fliegen aber gehören Flügel, diese haben wir nackten Zweibeinler nicht. Was läßt sich da anderes tun, als die noch innewohnenden Kräfte möglichst zweckmäßig zu gebrauchen. Also, es werde geschwommen!“
[RB.01_005,03] Hier fängt er an, Schwimmbewegungen mit Händen und Füßen zu machen, verspürt jedoch keinen Fortgang durch irgendeinen Luftzug. Aber das beirrt ihn nicht und er setzt seine Schwimmversuche fort. Je mehr er arbeitet, desto mehr verspürt er, daß all sein Mühen vergeblich ist. Er merkt, daß ihn diese schwarze Luft nicht den geringsten Widerstand verspüren läßt, und er stellt daher seine Bewegungen wieder ein. Er spricht:
[RB.01_005,04] „Ich Esel und Narr, was mühe ich mich denn vergeblich ab? Ich bin nun im barsten Nichts; was will ich das Nichts weiter verfolgen?! Auch ich will in die Ruhe des Nichts eingehen, um in ihr auch zu nichts zu werden! Ja, das ist der Weg zur völligen Vernichtung! Wenn ich nur wüßte, daß ich wirklich erschossen worden bin? Freilich müßte ich da vollkommen tot sein, was bei mir doch nicht der Fall ist? Auch verspüre ich nichts von irgendeiner Zerrüttung!
[RB.01_005,05] Oder sollte es nach dem Tode wirklich ein Fortleben der Seele geben? Ich aber bin ja noch mit Haut und Haaren und sogar mit meiner Kleidung da! Hat denn die Seele auch Beine, Haut, Haar und Kleidung? Wenn so, da muß also der Rock eine Seele haben? Nein! So etwas anzunehmen, müßte doch die ganze Unendlichkeit laut aufzulachen veranlassen! Hahaha! Die Unsterblichkeit eines Rockes wäre noch bei weitem ärger als die Wunderkraft des Leibrockes Christi zu Trier! Und doch, wenn ich Seele bin, ist der Rock mit mir hierher gewandert! – ?
[RB.01_005,06] Nein und tausendmal nein! Ich bin keine Seele, ich bin Robert Blum, der Reichstagsdeputierte in Frankfurt! Ich habe es hier in Wien kennengelernt, was Österreich will. Ich weiß es, daß alles Trachten dieses Staates dahin gerichtet ist, den alten Absolutismus wieder von neuem aufzurichten. Ich kämpfte wie ein Riese dagegen. Aber da die Kanonen des Gegners stärker waren als mein guter Wille, mußte ich samt meiner gerechten Sache dennoch abziehen und mich am Ende sogar totschießen lassen! Ein schöner Lohn für ein dem Vaterlande treu ergebenes Herz! O du verfluchtes Leben!
[RB.01_005,07] So es irgendeinen Gott gibt – welche Freude kann es Ihm denn wohl sein, wenn sich Menschen wegen eines Thrones und wegen Meinungsverschiedenheiten grausam totschlagen? Weil aber allezeit so Arges geschieht auf der Erde und solches doch von einem Gott nicht ausgehen kann, der logisch und physisch nichts als nur die reinste Liebe sein kann, – so gibt es gar keinen Gott. Oder, wenn es einen Gott gibt, so ist er nur ein fluchwürdiges Fatum, das die Wesen als ein Spielzeug seiner Launen betrachtet. Darum noch einmal Fluch jedem Wesen, das Menschen schafft fürs leidigste Verderben!
[RB.01_005,08] Aber jetzt nur Ruhe. Denn wenn ich in diesem Nichts die erwünschte gänzliche Vernichtung finden will, aber stets mit mir selbst rede, so erwecke ich mich dadurch aus der Vernichtung und werde wieder lebend durch die neu erregten Lebenskräfte. Daher also strenge Ruhe, damit die Vernichtung kommt!“

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