Jakob Lorber Robert Blum

28. Kapitel – Auch der Leibestod ein Hilfsmittel der Liebe Gottes. Vom Todesleiden in alter und jetziger Zeit.

[RB.01_028,01] Rede Ich weiter: „Siehe, das Sterben der Menschen ist auch für die äußeren Sinne eine traurige und zumeist mit verschiedenen Schmerzen verbundene Erscheinung. Der bloße Weltverstand findet dies für sehr hart und grausam von seiten einer allmächtigen Gottheit, die noch dazu voll der höchsten Liebe und Erbarmung sein soll. Wie oft ist die gute Gottheit schon darob von Menschen und Geistern geschmäht oder auch ganz geleugnet worden!
[RB.01_028,02] Aber auch da tritt wieder dieselbe Notwendigkeit wie bei der Geburt ein. Der freie Geist im Menschen kann unmöglich anders von jedem seine wahre Freiheit hemmenden Gericht ledig werden als durch die Hinwegnahme seiner gerichteten, zeitweiligen Umhüllung. Diese darf dem Geiste nur so lange belassen werden, bis er von dem Urleben Gottes nach allen Teilen völlig isoliert worden ist. Wobei freilich nur Gott als Gestalter des Lebens wissen kann, wann solch ein Geist zur völligen Selbständigkeit gediehen ist. Ist solch eine Reife eingetreten, dann ist es auch an der Zeit, dem Geiste die Last abzunehmen, die ihn an seiner Freiheit hindert.
[RB.01_028,03] Freilich sagst du wie viele: ,Warum geschieht dann diese Abnahme nicht schmerzlos?‘ – Ich aber sage dir: Würde ein Mensch nach der Lehre Gottes leben, so würde seines Leibes Tod ihm auch nur eine Wollust sein, oder doch wenigstens wäre er völlig schmerzlos. Aber da die Menschen zufolge ihrer Freiheit sich zu sehr in die Widerordnung der Materie begeben, ihren Geist mit eisernen Ketten daran heften und ihn zur Weltliebe erziehen, da muß freilich solche Trennung mit um so mehr Schmerzen verbunden sein, je fester ein Geist sich an die gerichtete Welt angeklebt hat.
[RB.01_028,04] Aber auch dieser Schmerz ist dennoch keine Härte, sondern nur die purste Liebe Gottes. Denn würde die Gottheit da nicht eine kleine Gewalt anwenden, die freilich nie wohltun kann, dann ginge der Geist ins vollkommene Gericht über und somit in den qualvollsten ewigen Tod, der da die eigentliche Hölle ist. Aber um den Geist davor möglicherweise zu retten, muß die Gottheit ein solches notwendiges Gewaltstreichlein ausführen. Sage, verdient sie darum wieder, geschmäht oder gar geleugnet zu werden? Leider gibt es nun eine zu große Menge Geister, die von Gott nichts mehr hören wollen, sobald sie ihre Freiheit erlangt haben. Aber Gott unterläßt es dennoch nie, sie auf den besten Wegen zum wahren und vollkommensten Ziele zu leiten.
[RB.01_028,05] Siehe, in der Urzeit wurden die Menschen im allgemeinen dem Leibe nach viel älter und starben auch eines gelinden und schmerzlosen Todes. Das geschah aber darum, weil sie in ihrem Geiste von Gott nicht so leicht wie die Menschen dieser Zeit abgelöst werden konnten. Und das darum nicht, weil die Erde für sie viel zu wenig Reize aufzubringen hatte und sie dadurch mehr in sich gekehrt blieben und auch mit Gott in einem schwerer zu trennenden Verband standen.
[RB.01_028,06] Als aber mit der Zeit die Menschen der Erde stets mehr Reize abzugewinnen begannen, und sich die Trennung vom Gottesleben daher auch eher ergab, da wurde auch die irdische Lebensperiode stets kürzer und kürzer.
[RB.01_028,07] Als endlich die Menschen vor lauter Welttum und seinen Reizen ganz und gar ihres Schöpfers zu vergessen anfingen, da erreichten sie aber auch das Extrem wider alle Gottesordnung, in dem der ewige Tod ihnen zuteil werden müßte. Siehe, da war es dann göttlicherseits nötig, sich ihnen wieder mehr zu nähern und sich hie und da zu offenbaren, um die dem ewigen Untergang nahe Menschheit zu retten. Viele ließen sich retten, viele aber nicht – aus eigenem, freiestem Willen! Hätte sie die Gottheit da mit ihrer Allmacht ergreifen sollen, wenn sie ihrer Liebe kein Gehör schenken wollten? Das hieße doch alle solche Geister für ewig verderben!
[RB.01_028,08] Was kann da die ewige Liebe anderes tun, als zu sagen: „Weichet von Mir, die ihr euch gänzlich von Mir abgelöst habt, und gehet in eine andere Erhaltungsschule, die allen euresgleichen zu eurer möglichen Wiederlöse bereitet ist! Es ist ein Feuer des Gerichtes der Welt, das muß euch lostrennen von ihr, ansonst es um euch geschehen ist!“
[RB.01_028,09] Wenn die Gottheit, um solche Übel soviel als möglich zu verhüten, nun äußere Plagen über die Erde kommen läßt, sage, ist sie da nicht vorhanden? Oder ist sie da hart und lieblos, wenn sie tut, was zu tun sie für allernötigst findet? – Wie kannst du dir auch nur im Traum einfallen lassen, daß die Gottheit ihre Geschöpfe, die sie aus sich heraus zeugte – verfluchen und verdammen soll für ewig! Was hätte sie wohl davon?
[RB.01_028,10] Aber wenn sie die Geschöpfe freistellen will für ewig: Muß da nicht ihre größte Sorge sein, daß diese Geschöpfe ja nicht irgend wieder in die Arme ihrer Allmacht hineingeraten, wo es um die Freiheit in jedem Falle geschehen sein müßte. Gerade, als so du Kinder hättest und möchtest sie in ihrer Zartheit mit all deiner Manneskraft an deine Brust drücken, was ihnen natürlich das Leben kostete. Wenn du sie aber zu Tode erdrückt hättest und hättest noch andere Kinder, – sage, würdest du diese nicht warnen vor deiner unbändigen Kraft, oder würdest du diese Kraft noch an mehreren versuchen? Dich würde wohl die Erfahrung davor warnen.
[RB.01_028,11] Die Gottheit aber bedarf freilich der Erfahrung nicht, da sie im Besitze der unendlichsten Weisheit ist. Sie ist der alleinige wahre gute Hirte aller ihrer Schäflein und kann sie am besten schützen vor ihrer Allmacht, die sie nur zur Gestaltung der gerichteten Dinge der Körperwelt gebraucht, nie aber zur Gestaltung freier Geister aus ihr! Diese müssen allein aus ihrer Liebe und Weisheit hervorgehen, ansonst an ihnen ewig keine Freiheit und somit auch kein Leben zu bewerkstelligen ist! Denn Gottes Allmacht zeugt nichts als Gericht über Gericht!“

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